Erstmals seit 2024 steigen die HIV-Infektionszahlen in Deutschland wieder an. Weltweit mochten die Neuinfektionen und HIV-bedingten Todesfälle in den letzten Jahren gesunken sein, aber das Klima hat sich gedreht. Dringend benötigte Präventionsprogramme wurden gestrichen und internationale Netzwerke sind ins Wanken geraten.
Gilead Sciences Workshop auf der MAIT. V. l. n. r.: Nico Erhardt (Advocacy & Community Engagement,Gilead Sciences), Dr. med. Anja Potthoff (WALK in RUHR (WIR)-Zentrum, Bochum), Cameron Kakande(People like Us (PLUS) e.V., München) und Niklas Gudorf (Berliner Aids-Hilfe e. V.).
Doch anstatt in Panik zu verfallen, zeigt unsere LGBTIQ*-Community einmal mehr, was sie am besten kann: sich organisieren, zusammenhalten und eigene Lösungen schaffen. Auf den 20. Münchner AIDS- und Infektiologie-Tagen 2026 (MAIT) wurde deutlich, dass der Fortschritt im Kampf gegen HIV jetzt an der Basis verteidigt werden muss. Der Leitspruch lautet: „Nothing about us without us“.
Safe Spaces für Geflüchtete
Besonders vulnerable Gruppen geraten oft aus dem Blickfeld. Niklas Gudorf von der Berliner Aids-Hilfe e. V. machte auf die Situation von geflüchteten Menschen mit HIV aus der Ukraine aufmerksam. Diese Menschen kämpfen nicht nur mit dem Trauma der Flucht, sondern auch mit Sprachbarrieren, Informationslücken und massiver Stigmatisierung. Die Lösung der Berliner Aids-Hilfe? Ein sicherer, absolut diskriminierungsfreier Raum. Mit Testangeboten, Informationsveranstaltungen und Beratungen nach einer HIV-Diagnose – teilweise direkt auf Ukrainisch – wird hier eine lebenswichtige Brücke geschlagen.
Therapie-Hürden abbauen
Der Zugang zur Medizin ist das eine, dabeizubleiben das andere. Dr. med. Anja Potthoff vom WIR-Zentrum in Bochum widmet sich den strukturellen Barrieren, die queere Menschen mit Migrationsbiografie oft daran hindern, ihre Therapie konsequent fortzusetzen. In einer neuen Studie wird ein praxistauglicher Fragebogen entwickelt, um genau diese Hürden zu identifizieren und abzubauen.
Illustration: KI erstellt
Aufklärung geht durch den Magen: Das „Dinner in Red“
Wie man Kultur, Prävention und Gemeinschaft charmant und wirkungsvoll verbindet, beweist Cameron Kakande vom People like Us (PLUS) e. V. in München. Viele queere Migrantinnen bringen aus ihren Herkunftsländern große Angst vor Repressionen mit. Um ihnen dennoch Zugang zu den neuesten Fortschritten in der HIV-Prävention zu geben, rief Kakande 2022 das „Dinner in Red“ ins Leben. Die Idee ist so simpel wie genial: Essen bringt Menschen zusammen. Bei Events mit über 100 Teilnehmerinnen wird hier gemeinsam gegessen, Stigmatisierung abgebaut und lebensrettendes Wissen geteilt.
Möglich werden viele dieser essenziellen Community-Projekte übrigens erst durch finanzielle Unterstützung. Im Jahr 2025 spendete das Pharmaunternehmen Gilead Sciences über 600.000 Euro allein an deutsche Initiativen aus Wissenschaft und Community, um solche unabhängigen Projekte zu fördern.