Hass, Ausgrenzung und Abwertung werden auf der Straße, im Netz und in politischen Debatten wieder lauter. Die Deutsche Aidshilfe (DAH) hält nun entschlossen dagegen: Ab heute setzt sie mit der bundesweiten Kampagne #AidshilfeBleibtStabil ein deutliches Zeichen gegen zunehmende Menschenfeindlichkeit und für eine offene, solidarische Gesellschaft.
Es weht ein eisiger Wind für Minderheiten in Deutschland. Rechtspopulistische Forderungen, autoritäre Vorstellungen, rassistische Vorurteile und Hetze gegen Emanzipation und Vielfalt brechen sich immer weiter Bahn. Das spürt die LGBTIQ*-Community ganz akut – sei es durch queerfeindliche Angriffe und Aufmärsche gegen CSDs oder durch die transfeindliche Forderung, das hart erkämpfte Selbstbestimmungsgesetz direkt wieder zurückzunehmen.
Die neue Kampagne der Deutschen Aidshilfe positioniert sich hier mit klaren Worten für Solidarität und gegen Menschenfeindlichkeit. Denn diese Feindlichkeit trifft genau die Gruppen, für die die Aidshilfe seit Jahrzehnten Prävention und Antidiskriminierungsarbeit leistet: Menschen mit HIV, die LGBTIQ*-Community, Menschen mit Migrationsgeschichte, Sexarbeiter*innen, Drogenkonsumierende sowie Menschen in Haft.
„Wir stehen an der Seite unserer Communitys – unerschrocken und stabil!“, erklärt Stefan Miller vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.
Fäkalien per Post und Schüsse aufs Büro
Dass diese klare Haltung dringend nötig ist, zeigt die eskalierende Gewalt gegen zivilgesellschaftliches Engagement. Auch Aidshilfe-Organisationen selbst werden immer wieder zur Zielscheibe von direkten Angriffen. Die Vorfälle sind erschreckend: Bei der Aidshilfe Düsseldorf wurden Nazisymbole in die Glasscheiben geritzt, zudem erhielten die Kolleginnen ein Paket mit Fäkalien. Die Aidshilfe Aachen wurde Opfer einer ganzen Serie von Angriffen, bei der sogar auf das Gebäude geschossen wurde.
„Wir lassen uns nicht einschüchtern“, betont Miller angesichts dieser Bedrohungen. Die Organisation macht mit plakativen Slogans wie „Wir gehen auf den Strich“ oder „Wir kommen in den Knast“ unmissverständlich klar, dass sie und ihre 115 Mitgliedsorganisationen auch in Zukunft unverbrüchlich Beratung, Prävention und Unterstützung leisten werden.
Prävention braucht Sicherheit
Der Kern der Arbeit bleibt unangetastet: „Aus jahrzehntelanger Erfahrung und unzähligen Studien wissen wir: Diskriminierung schwächt Menschen und macht krank“, so DAH-Vorstand Miller. HIV-Prävention baut elementar auf Akzeptanz und Respekt auf. Nur wenn Menschen sicher und selbstbestimmt leben können, funktioniert auch der Schutz vor Infektionskrankheiten.
Um diese Sicherheit zu gewährleisten, stellt die Deutsche Aidshilfe im Rahmen der Kampagne klare politische Forderungen auf. Dazu gehören unter anderem der Erhalt des neuen Selbstbestimmungsgesetzes und der Ausbau von Angeboten für die LGBTIQ*-Community. Ebenso fordert die DAH die Abschaffung von Sperrbezirken in der Sexarbeit und das bedingungslose Menschenrecht auf gesundheitliche Versorgung für alle – auch für Menschen ohne Aufenthaltspapiere.
Die Kampagne #AidshilfeBleibtStabil ist ab heute bundesweit crossmedial mit Plakaten, Stickern und auf Social Media sichtbar. *ck