Foto: Mario Andreya
Max Spohr Preis
Der Max-Spohr-Preis gilt seit 2001 als zentrale Auszeichnung für die Sichtbarmachung von Vielfalt in der deutschen Arbeitswelt. Entsprechend wurden die Jurypreise in diesem Jahr an die Hays AG (Großunternehmen), die Stadt Bielefeld (Kommunen), die Allround-Team GmbH (KMU) sowie das Bundeskriminalamt (öffentlicher Dienst, Bund) vergeben.
Doch bei der diesjährigen Verleihung ging es um mehr als „nur“ modernes Diversity Management in Organisationen. Mit dem Sonderpreis für die Initiative „OutInChurch – Für eine Kirche ohne Angst“ setzte der Berufsverband VK e. V. ein kraftvolles Statement gegen Diskriminierung und für Menschenwürde innerhalb kirchlicher Strukturen.
Anerkennung und Ansporn
In seiner Dankesrede machte Rainer Teuber von OutInChurch deutlich, welche Bedeutung die Ehrung für die Initiative hat: Sie sei nicht nur Anerkennung für das bisher Erreichte, sondern zugleich Ansporn, den Einsatz für queere Akzeptanz innerhalb der katholischen Kirche konsequent fortzusetzen.
OutInChurch entstand aus den Erfahrungen vieler queerer Katholik*innen, die die Kirche nicht als Schutzraum erlebt haben. Das gemeinsame Coming-out von 125 queeren Mitarbeitenden der katholischen Kirche im Jahr 2022 war daher weit mehr als ein symbolischer Akt – es war ein selbstbestimmtes Zeichen gegen Diskriminierung und für Sichtbarkeit. „Wir lassen uns nicht länger abwerten oder entwürdigen. Wir stehen für Angst und Doppelleben nicht mehr zur Verfügung“, sagte Teuber in der Dankesrede – ein Satz, der die Haltung der Initiative prägnant auf den Punkt bringt.
Breite Solidarität und klare Botschaften
Weitere Sonderpreise des Vorstands gingen an die Oberbürgermeister Simon Blümcke (Friedrichshafen) und Thomas Kufen (Essen) sowie an Bürgermeister Dirk Gene Hagelstein (Neu-Isenburg) für ihr lokales Engagement. Ausgezeichnet wurden zudem die Ambulanz für HIV, AIDS, Proktologie und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum Essen, die Initiative Welcome Out sowie Sebastian Krug, Gründer der Rainbow-Career-Days. Ein international besonders starkes Zeichen setzte der Sonderpreis für das Ukrainian LGBT+ Military.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Ehrung von Michel Friedman mit dem Sonderpreis Haltung. Für seine Worte „Nur aus dem Ausleben des Ichs lebe ich“ erhielt er Standing Ovations – ein eindringlicher Appell für individuelle Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung. Der Max-Spohr-Preis macht damit deutlich, was auf dem Spiel steht: Eine offene Gesellschaft lebt davon, Vielfalt nicht nur zu tolerieren, sondern aktiv zu schützen. Oder, wie es an diesem Abend mehrfach betont wurde: Demokratie, Menschenwürde und Vielfalt sind nicht verhandelbar. www.outinchurch.de, max-spohr-preis.de
