Berichte über organisierte, queerfeindliche Hetzjagden im Volkspark Friedrichshain sorgten im August für Aufsehen. Betroffene schilderten, wie eine Gruppe junger Männer gezielt Jagd auf Besucher eines bekannten Cruising-Areals machte, sie beraubte und zusammenschlug. Ein zentraler Vorwurf war, dass die Polizei trotz Notrufen nicht eingeschritten sei.
Inzwischen haben sowohl die Bezirkspolitik als auch die Polizei Berlin auf die Vorfälle reagiert. Neue Informationen bestätigen das Ausmaß der Gewalt und geben Einblick in die laufenden Ermittlungen.
Politik: BVV verurteilt Taten als „gezielte Hetzjagd“
Foto: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg hat die Vorfälle am 15. Oktober 2025 in einer Resolution scharf verurteilt. Der Beschluss mit dem Titel „Für einen sicheren Bezirk für alle! Solidarität mit der queeren Community“ wurde auf Initiative der Linksfraktion und mit Unterstützung von Grünen, SPD und CDU einstimmig angenommen.
In dem Beschluss heißt es:
Die BVV verurteilt den „organisierten, bandenartigen und zielgerichteten Angriff auf schwule und bisexuelle Männer“ vom 11. August 2025.
- Die Tätergruppe sei gezielt eingedrungen, um Personen zu „bedrohen, zu beschimpfen, zu filmen und zu jagen“, was zu „schweren körperlichen Verletzungen“ und Raub führte.
- Ein neues Detail: Die BVV stellt fest, dass die „Umzäunung des Areals eine gezielten Hetzjagd ermöglichte“.
- Die Taten haben in der queeren Community „tiefe Verunsicherung und Angst ausgelöst“. Viele fühlten sich in ihrem Bezirk „nicht mehr sicher“.
- Der Tagesspiegel, der das Thema ebenfalls aufgriff, merkte jedoch an, dass die Resolution ein Bekenntnis sei, aber keine „konkreten Maßnahmen“ folgten.
Polizei: Staatsschutz ermittelt wegen queerfeindlicher Motivation
Die im August eingegangene Antwort der Pressestelle der Polizei Berlin auf unsere Fragen gibt detailliert Auskunft zur polizeilichen Einschätzung der Lage. Die Behörde bestätigte offiziell, dass die Ermittlungen (u.a. wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung) vom Landeskriminalamt (LKA) übernommen wurden und die weitere Bearbeitung durch den „Polizeilichen Staatsschutz“ erfolgt. Man gehe von einer „mutmaßlichen queerfeindlichen Tatmotivation“ aus.
Fotos: Christian Knuth
priderebellion.berlin hat Plakate am Tatort aufgehängt
Die Polizei räumt zudem eine „Häufung“ von Straftaten in der Cruising Area ein, die dem „queerfeindlich / homophoben Spektrum“ zuzuordnen sind; allein im August wurden drei weitere Fälle angezeigt. Als Reaktion kündigte die Polizei eine Verstärkung der „Streifentätigkeit“ an, „insbesondere in den Nachtstunden“. Man wolle zudem die Netzwerkpflege (z.B. mit MANEO) ausbauen und überdenke eine „Plakataktion zur Steigerung der Anzeigebereitschaft“, berücksichtige aber, „dass zu viel polizeiliche Präsenz in der queeren Community zum Teil nicht erwünscht ist“.
Brisant bleibt die Einschätzung der Notrufe: Die Polizei bestätigt, dass kein Streifenwagen „eilbedürftig“ entsandt wurde, da ein Anruf am 10. August als „nicht gegenwärtige verbale Bedrohung“ eingestuft wurde – dies widerspricht jedoch Schilderungen von Betroffenen, wonach während eines Angriffs die Polizei gerufen wurde.
Einordnung: Angst offiziell anerkannt
Die Reaktionen von Politik und Medien bestätigen, was Opfer und Zeugen geschildert haben: Die queerfeindliche Gewalt im Volkspark Friedrichshain ist organisiert und hat ein Ausmaß erreicht, das die Community tief verunsichert. Während die BVV die Taten symbolisch verurteilt, liegt es nun am Staatsschutz, die Täter zu ermitteln. Die Diskrepanz zwischen der Schilderung zum Notruf und der polizeilichen Einstufung als „nicht eilbedürftig“ bleibt indes bestehen.
Der Aufruf an alle Betroffenen und Zeugen, jeden Vorfall bei der Polizei oder den Anlaufstellen wie MANEO zu melden, ist wichtiger denn je, um das volle Ausmaß der Gewalt sichtbar zu machen.
Foto: Christian Knuth
Street- bzw. Woodart im Volkspark Friedrichshain
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Hilfe und Unterstützung aus der Community
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