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Was auf Grindr passiert, bleibt offenbar nicht auf Grindr. Nach Angaben der Wiener Datenschutzorganisation Noyb soll TikTok sensible Informationen über Nutzer*innen der Dating-App ohne deren Zustimmung gesammelt und weiterverarbeitet haben. Gemeinsam mit dem Tracking-Unternehmen AppsFlyer und Grindr selbst habe der Konzern damit gegen zentrale Vorgaben der europäischen Datenschutzgrundverordnung (GDPR) verstoßen und dabei Daten berührt, die Rückschlüsse auf Sexualität und Intimleben zulassen.
Tracking über App-Grenzen hinweg
Laut Noyb wurde in einem konkreten Fall die Nutzung der LGBTIQ*-Dating-App Grindr durch TikTok erfasst, mithilfe des israelischen Tracking-Unternehmens AppsFlyer. Ein betroffener Nutzer habe erst durch eine eigene Datenanfrage an TikTok erfahren, dass die App seine Aktivitäten auf Grindr mitverfolgte.
Die gesammelten Informationen ermöglichten TikTok laut Noyb, ein umfassendes Profil des Online-Verhaltens der Nutzer*innen zu erstellen. Dazu gehöre auch das Ziehen von Rückschlüssen auf sexuelle Orientierung und Sexualleben – Daten, die nach europäischem Recht als „besonders schützenswert“ gelten.
Verstöße gegen die GDPR
Noyb reichte deshalb zwei Beschwerden bei der österreichischen Datenschutzbehörde ein. Gefordert wird, dass die Unternehmen die „rechtswidrige Verarbeitung“ sofort einstellen und empfindliche Bußgelder zahlen. „Wie viele US-Konzerne sammelt TikTok zunehmend Daten aus anderen Apps und Quellen“, sagte Noyb-Anwältin Kleanthi Sardeli.
TikTok reagierte bislang nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur AFP.
Wiederholte Datenschutzverstöße
TikTok steht seit Jahren wegen Datenschutzverstößen in der Kritik. Bereits im Mai verhängte Irland eine Rekordstrafe von 530 Millionen Euro gegen das Unternehmen, weil es persönliche Daten europäischer Nutzer*innen an China übermittelt und nicht ausreichend vor Zugriffen geschützt hatte.
Auch Grindr war bereits betroffen: 2021 verhängten norwegische Behörden knapp sechs Millionen Euro Strafe, weil die App sensible Daten an Dritte weitergegeben hatte (männer* berichtete).
Seit Inkrafttreten der GDPR im Jahr 2018 hat Noyb zahlreiche Verfahren gegen große US-Techkonzerne wie Meta, Google und TikTok angestrengt, oft mit dem Ziel, die europäischen Datenschutzregeln konsequenter durchzusetzen.
*Quellen: afp; noyb.eu; gdpr.eu