Foto: AFP / Gerardo Vieira
Symbolbild
Am vergangenen Sonntag, dem 18. Oktober, kam es im Gesundheits- und Communityzentrum Casa Kuà in der Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg zu einem Polizeieinsatz. Gegen frühen Abend drangen rund 38 Einsatzkräfte des Landeskriminalamts (LKA) und der Schutzpolizei auf Grundlage eines richterlichen Durchsuchungsbeschlusses der Staatsanwaltschaft Berlin in die Räumlichkeiten ein. Zu diesem Zeitpunkt fand dort das wöchentliche Treffen „The Dolls“ statt, ein geschützter Raum ausschließlich für transfeminine Personen.
Was beim Einsatz geschah
Wie das Kollektiv von Casa Kuà und „The Dolls“ über ihre Social-Media-Kanäle mitteilte, erfassten die Beamtinnen die Personalien aller Anwesenden und hielten die Teilnehmerinnen bis zu vier Stunden lang in den Räumen fest. Nach Angaben des Zentrums durchsuchte die Polizei nicht nur sämtliche Räume, sondern brach auch Schließfächer auf und durchsuchte die persönlichen Gegenstände aller Anwesenden, obwohl im Durchsuchungsbeschluss selbst keine konkreten Namen genannt wurden. Es wurden am Ende mehrere Kisten mit Gegenständen aus dem Lokal getragen, darunter Datenträger, Hormonpräparate sowie Bargeld aus Spenden.
Ermittlungsanlass und Statement des Kollektivs
Anlass für die Razzia war ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz (AMG). Konkret geht es um den Vorwurf, dass verschreibungspflichtige Medikamente, darunter Hormonersatztherapien für trans Personen, ohne die entsprechende Erlaubnis unentgeltlich an Dritte abgegeben worden sein sollen. Die Verantwortlichen von Casa Kuà und „The Dolls“ bezogen in den sozialen Medien klar Stellung zu dem Einsatz:
„Wir sind wütend und waren schockiert zu erfahren, dass dieser Angriff auf unsere trans Communities im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Vorwurfs steht, ‚verschreibungspflichtige Medikamente […] ohne die entsprechende Erlaubnis an Dritte unentgeltlich abzugeben‘. Dieser gewaltsame Übergriff auf unsere Räume richtet sich nicht nur gegen besonders marginalisierte und vulnerable transfeminine Communities, sondern ist auch Teil einer breiteren Welle der Repression gegen Frauen, queere Menschen, Migrantinnen, die Arbeiterinnenklasse und andere marginalisierte Gruppen.“
Demonstration am Samstag
Als direkte Reaktion auf die Durchsuchung organisiert die Community für das kommende Wochenende einen Protest auf der Straße. Unter dem Motto „Hände weg von trans Leben!“ rufen Casa Kuà und „The Dolls of Berlin“ zu einer Demonstration in Kreuzberg auf, um Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen und ein Zeichen gegen die Repression von trans Frauen, BIPoC, Migrant*innen und queeren Menschen zu setzen.
Die Demonstration findet am Samstag, dem 24. Oktober 2026, von 14:00 bis 17:00 Uhr statt. Der Demonstrationszug startet am Mariannenplatz und führt zum Zielpunkt an den Räumlichkeiten des Casa Kuà in der Naunynstraße 72.
*Quelle: Instagram @casakua und @thedollsof_berlin