Foto: AFP / Tobias Schwarz
Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) will nicht homosexuell oder queer genannt werden. Während für ihn das eine zu steril klingt, mache das andere die Errungenschaften früherer Generationen zunichte.
Klar gegen das Label „queer“
Jens Spahn (CDU) findet klare Worte für seine sexuelle Identität und zieht eine scharfe Trennlinie zur aktuellen Gender-Debatte. „Ich bin schwul, nicht queer“, stellte er gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit klar. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die politische Aufladung des Begriffs: Wer mithilfe des Labels „queer“ alles zu einer Frage der Selbstdefinition erkläre, stelle laut Spahn die gesamte Emanzipationsgeschichte infrage.
„Homosexuell“ ist ihm zu steril
Aber nicht nur mit dem modernen „queer“ kann der Unions-Politiker wenig anfangen. Auch vom Begriff „homosexuell“ distanziert sich Spahn deutlich: „Homosexuell, das klingt für mich furchtbar. Steril.“ Er berichtete von einer Ansage an seinen Vorgänger als Fraktionschef, Volker Kauder: „Ich möchte von dir nie wieder homosexuell genannt werden.“ Spahn bevorzuge stattdessen den Ausdruck „schwul“. Das Wort strahle für ihn offenbar mehr Lebensrealität und weniger medizinische Diagnose aus.
Rückblick: Das „Wowereit-Problem“
Spahn erinnerte im Interview auch an seine Anfänge. Als seine Orientierung 2001 parteiintern zum Thema wurde, herrschte in der CDU noch Skepsis. Kurz nach dem Coming-Out des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit hieß es: „Mit Spahn kriegen wir ein Wowereit-Problem. Uns wählt keiner mehr, wenn wir den aufstellen.“ Eine Befürchtung, die sich nicht bewahrheitete: Die Wähler im Münsterland waren damals offenbar schon deutlich weiter als die Parteistrategen.
Einordnung
Mit diesen Aussagen festigt Spahn sein Profil als konservatives Gesicht innerhalb der Community. Er grenzt sich bewusst von einer Politik ab, die er als zu ideologisch empfindet. Spahn betont dabei das „Glück der späteren Geburt“: Er sei sich bewusst, dass er die Früchte erntet, die andere erkämpft haben.
Sein Fazit ist so nüchtern wie ehrlich: „Einen offen schwulen Bundesminister hätte es in der CDU in den 1980er-Jahren nicht gegeben, Punkt, Ende, aus.“
*Quelle: AFP, Die Zeit