Illustration: KI-erstellt
Wo überhaupt gemessen wird, beginnt es mit einem Probenset für zu Hause. Die Unterschiede entstehen danach, in der Analysemethode und in dem, was aus dem Ergebnis folgt.
Individuell zusammengestellt wird nur bei 5 von 13 Anbietern, darunter NB1, indyvit und made for me. Bei allen anderen heißt „personalisiert“ am Ende: Fragebogen. Acht Anbieter haben wir genauer geprüft.
Die Produktgruppe ist umstritten. Stiftung Warentest und Öko-Test bewerten die Aussagekraft kommerzieller Mikrobiom-Tests als begrenzt, und ob der individuelle Ansatz einen zusätzlichen Nutzen bringt, ist bislang nicht belegt. Günstig ist keiner der Wege: Die Jahreskosten reichen im Vergleich von 119 bis 1.788 Euro.
Nach den fünf Kriterien liegt NB1 vorn: der einzige Anbieter im Vergleich, der eine wiederkehrende Messung der Darmflora mit einer jedes Mal neu gefertigten Rezeptur verbindet.
Welche Anbieter stellen die Mischung wirklich individuell zusammen?
Bei NB1, indyvit, made for me, Wunschkapsel und MyMineralMix wird die Mischung individuell gefertigt. Sie entsteht erst nach der Bestellung und ist jeweils für eine Person bestimmt.
Bei NB1 bildet eine Stuhlprobe die Grundlage. indyvit nutzt einen Labortest oder einen Fragebogen mit 15 Fragen. Bei made for me basiert die Mischung auf einer DNA-Analyse aus der Apotheke. Wunschkapsel bietet einen Konfigurator mit 288 Rohstoffen. Bei MyMineralMix sind 44 Ja-Nein-Fragen die Grundlage.
Auch andere Anbieter bieten eine wiederholte Messung an. Unter den 13 verglichenen Anbietern entsteht nur bei NB1 aus jeder neuen Messung auch eine neu abgeleitete Rezeptur. Dazwischen liegen Anbieter, die zwar messen, danach aber Produkte aus einem festen Sortiment empfehlen: BIOMES, myBioma, for you eHealth, cerascreen und InnerBuddies.
Was Stiftung Warentest und Öko-Test zu Mikrobiom-Selbsttests sagen
Die Produktgruppe steht in der Kritik. Stiftung Warentest veröffentlichte am 06.05.2024 den Beitrag „Mikrobiom-Selbsttests: Teure Analysen ohne Aussagekraft“, Öko-Test am 15.07.2026 einen Ratgeber, der von Selbsttests abrät. Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS, erklärt dort, dass kommerzielle Mikrobiomtests keine zuverlässige Aussage darüber ermöglichen, ob das eigene Mikrobiom gesund ist. Wir haben beide Beiträge vollständig geprüft: Ein produktspezifisches Testurteil haben wir für keinen der 13 Anbieter gefunden, auch nicht für NB1. Die Kritik richtet sich gegen die Produktgruppe insgesamt und schließt NB1 damit ein.
Wie wir bewertet haben
Wir haben vorab fünf Kriterien festgelegt und gewichtet. Am schwersten wiegt mit 30 Prozent die Grundlage der Mischung, es folgen 25 Prozent Einzelfertigung, 20 Prozent Anpassung über die Zeit, 15 Prozent Nachprüfbarkeit und 10 Prozent Preistransparenz und DACH-Verfügbarkeit. Alle Angaben wurden am 20. August 2026 auf den Anbieterseiten geprüft und die Preise zusätzlich über einen zweiten Kanal verglichen. Fehlt eine Angabe, schreiben wir „nicht ausgewiesen“ statt zu schätzen. Grundlage und Einzelfertigung wiegen zusammen mehr als die Hälfte, weil sie darüber entscheiden, ob überhaupt etwas Individuelles geliefert wird. Wer diese Frage anders gewichtet und vor allem auf den Preis schaut, kommt mit derselben Tabelle zu einer anderen Rangfolge.
Das Ergebnis in einem Satz: Von den 13 verglichenen Anbietern verbindet nur NB1 eine wiederkehrende Messung mit einer jedes Mal neu abgeleiteten Einzelanfertigung. Angaben vom 20. August 2026.
Die acht Anbieter im Kurzprofil
Platz 1 nach unseren Kriterien
NB1: Für wen lohnt sich eine Rezeptur aus der eigenen Darmflora?
NB1 ist im Vergleich der einzige Anbieter, der die Nahrungsergänzung nach der gemessenen Darmflora individuell anfertigt. Grundlage ist eine Stuhlprobe, per Shotgun bis auf Artebene ausgewertet. Im Advanced-Paket wird die Messung regelmäßig wiederholt, sodass jedes Mal eine neue Rezeptur entsteht. Geliefert wird monatlich eine dreiteilige Formel mit 97 offen aufgeführten Komponenten. Grenzen: kein produktspezifisches Testurteil gefunden, keine Akkreditierung des Sequenzierlabors ausgewiesen, und die Analyse gibt es nur im Abo, 1.188 oder 1.788 Euro im ersten Jahr. Der Messumfang bleibt auf Bakterien begrenzt, kein Virom- oder Pilzanteil und keine weiteren Stuhlparameter, wie indyvit sie anbietet. Die eigenen Seiten widersprechen sich zudem bei der Komponentenzahl: 97, 125 plus und 140 plus.
Platz 2
indyvit: Für wen lohnt sich ein Labortest statt eines Fragebogens?
indyvit bietet unter den Anbietern mit individueller Anfertigung die meisten Messmöglichkeiten: eine kostenlose Analyse mit 15 Fragen oder acht Labortests aus Blut, Speichel, Urin und Stuhl, dazu 81 wählbare Inhaltsstoffe mit Analysezertifikat je Rohstoff. Grenzen: keine Akkreditierungsnorm ausgewiesen, beim Mikrobiom-Test bleibt die Methodik unspezifisch („molekulargenetisch analysiert“), und die Messung kostet extra.
Platz 3
made for me: Für wen ist der Weg über die Apotheke richtig?
made for me ist der einzige Anbieter, bei dem der Weg über eine Apotheke vor Ort führt. Speichelprobe, Beratung und Besprechung der Ergebnisse finden in einer von 137 geschulten Partner-Apotheken statt, einen Onlinekauf gibt es nicht. Grenzen: Auf der Anbieterseite steht kein Preis, die Messung ist einmalig, und der Kanal ist regional begrenzt.
Platz 4
Wunschkapsel: Für wen lohnt sich die selbst zusammengestellte Mischung?
Wunschkapsel hat den größten frei wählbaren Rohstoffkatalog im Vergleich, 288 Positionen, gefertigt nach Bestellung in eigener Manufaktur mit HACCP-Zertifikat. Grenzen: Die Rezeptur basiert auf deinen eigenen Angaben und nicht auf einer Messung, und die Auswahl setzt Vorwissen voraus. Eine verifizierte Kundenbewertung beschreibt den Prozess als „ziemlich kompliziert, zeitaufwendig“.
Platz 5
MyMineralMix: Was bekommst du ohne Probe und Wartezeit?
MyMineralMix hat die niedrigste Einstiegshürde. Der Fragebogen dauert drei Minuten und kommt ohne Probe, Wartezeit oder zusätzliche Analysekosten aus, gefertigt wird in einer deutschen Apotheke. Grenzen: Die Rezeptur beruht auf Selbstauskunft, einen Bluttest-Pfad gibt es auch optional nicht, und weder Apotheke noch Prüflabore oder eine bestimmte Norm werden ausgewiesen.
Platz 6
BIOMES: Was bringt ein eigenes Labor mit Retest-Zyklus?
BIOMES (INTEST.pro) kommt dem Modell von NB1 am nächsten, ohne individuell zu fertigen. DNA-Extraktion, Sequenzierung und Auswertung laufen im eigenen Labor in Wildau, die Probe verlässt Deutschland nicht. Grenzen: Das Präparat ist keine pro Person gefertigte Mischung, sondern eines von sechs Produkten mit fester Rezeptur.
Platz 7
myBioma: Wie weit reicht ein Bericht ohne eigene Mischung?
myBioma liefert den ausführlichsten Ergebnisbericht im deutschsprachigen Feld, schon in der Einstiegsstufe mit Diversität, Enterotyp und vollständiger Bakterienliste. Grenzen: Eine individuell gefertigte Mischung gibt es nicht, die beiden Produkte werden auf der Partnerseite ausdrücklich als „Standardprodukte“ bezeichnet. In 103 Trustpilot-Bewertungen mit 4,0 von 5 Sternen wird häufig kritisiert, dass die Empfehlungen zu allgemein seien.
Platz 8
for you eHealth: Was leistet ein Einnahmeplan aus Messwerten?
for you eHealth misst breiter als jeder andere Anbieter im Vergleich: 26 Selbsttests über Blut, Stuhl, Speichel, Abstrich und Urin, dazu ein kostenloser Einnahmeplan. Grenzen: Die Sequenziermethode wird nicht ausdrücklich ausgewiesen, gefertigt wird nichts einzeln, und ein Retest muss vollständig bezahlt werden.
Woran kannst du die Angaben eines Mikrobiom-Tests prüfen?
Kein Anbieter im Vergleich legt alles offen. Fünf Punkte, an denen sich prüfen lässt, wie viel:
- Grundlage: Labormessung (NB1, BIOMES, myBioma, cerascreen), Fragebogen (MyMineralMix, Wunschkapsel) oder gar keine Messung.
- Methode benannt: 16S reicht bis zur Gattung, Shotgun bis zur Art und teils bis zum Stamm; bei for you eHealth ist das Verfahren nicht ausgewiesen. Eine feinere Auflösung sagt nur, wie genau die Bakterien bestimmt werden, nicht, wie aussagekräftig das Ergebnis für deine Gesundheit ist.
- Norm statt „zertifiziert“: ISO 17025 und DAkkS gelten dem Labor, ISO 9001 dem Qualitätsmanagement, GMP der Herstellung.
- Retest: neue Rezeptur (NB1) oder derselbe Katalogartikel (BIOMES, myBioma)?
- Jahreskosten mit Analyse, Folgetest und Versand: 119 bis 1.788 Euro.
Was kostet personalisierte Nahrungsergänzung im ersten Jahr?
Die Spanne ist groß. NB1 kostet 1.188 Euro (Core) oder 1.788 Euro (Advanced), Analyse inklusive, im Core-Tarif allerdings ohne die Folgetests. Bei indyvit kommen zur Mischung ab CHF 60 die Testkosten hinzu, bei BIOMES 599 Euro für die Membership. Zur Einordnung: AG1 als Standardprodukt liegt bei 87 Euro im Monat. Ob der individuelle Ansatz einen zusätzlichen Nutzen bringt, ist bislang nicht belegt.
Methode, Quellen und Hinweise
Dieser Beitrag vergleicht öffentliche Anbieterangaben, Registerdaten, unabhängige Bewertungsplattformen und Fachpresse. Wir haben keinen eigenen Labortest durchgeführt und keine Probe eingeschickt. Aufgenommen wurden Anbieter, die im DACH-Raum bestellbar sind. Acht Anbieter mit eigener Personalisierungslogik haben wir genauer geprüft, die übrigen fünf dienen als Vergleich.
Quellen, Stand 20. August 2026: die Seiten aller dreizehn Anbieter, novogenia.com, swissanalysis.ch, Firmenbuch, Handelsregister, medizinfuchs.de, trustpilot.com, trustedshops.de, test.de, oekotest.de.
Hinweis: Ein Mikrobiom-Test ist kein medizinisches Diagnoseverfahren und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Nahrungsergänzung ist ein Lebensmittel, kein Arzneimittel, und ersetzt keine ausgewogene Ernährung. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und stellen keine medizinische Beratung dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.