Bilder: Soizick Jaffre
Der unabhängige Berliner Verlag Moom Comics legt mit „Silence: Dream / Nightmare“ den jüngsten Band seiner vielfach ausgezeichneten Reihe vor – ein Projekt, das derzeit auf Kickstarter um Unterstützung wirbt.
„Silence“ ist dabei weniger eine klassische Comicreihe als ein ästhetisches Experiment: eine Anthologie wortloser Erzählungen, die sich ganz dem Primat des Bildes verschreibt. Ohne den Halt von Sprache entfalten sich die Geschichten in einer stillen, zugleich universellen Bildlogik, die nationale und kulturelle Grenzen elegant unterläuft.
Im Zentrum stehen queere Figuren und Perspektiven, wie sie für das Programm von Moom Comics charakteristisch sind. Doch werden sie hier aus vertrauten Kontexten gelöst und in Zwischenräume versetzt – dorthin, wo Traum und Albtraum ineinander übergehen. Es sind fragile, bisweilen verstörende Szenarien, in denen sich Identität, Begehren und Angst in flüchtigen Bildfolgen materialisieren. Sechs eigenständige Beiträge nähern sich diesen Sphären mit höchst unterschiedlichen visuellen Idiomen: mal von meditativer Ruhe getragen, mal von einer nervösen, fast eruptiven Spannung durchzogen.
Auch die künstlerische Handschrift ist international gefächert. Die Cover stammen von Giopota aus Bologna, der unter anderem für DC Comics arbeitet, sowie von Krzysztof Schodowski. Im Inneren versammelt der Band Arbeiten von Marco Klein Nijenhuis, Sascha Dörp, Soizick Jaffre und Len Gog – ein Ensemble, das unterschiedliche künstlerische Kontexte und Bildtraditionen zusammenführt.
Mit der Auszeichnung durch den GINCO Award 2025 hat die Reihe bereits institutionelle Aufmerksamkeit erfahren. Doch wichtiger als jede Ehrung bleibt ihr programmatischer Anspruch: den Comic als genuin visuelles Medium neu zu denken – jenseits von Dialogen, Sprechblasen und narrativer Eindeutigkeit. So setzt auch „Silence: Dream / Nightmare“ die verlegerische Linie von Moom Comics fort: unabhängig, experimentell und der Kraft der Bilder verpflichtet. Eine Einladung, sich in jene Zonen vorzuwagen, in denen Bedeutung nicht erklärt, sondern gesehen werden will. Die Kampagne läuft derzeit auf Kickstarter.
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