Foto: @nevosouleiman
Berlin beflügelte schon viele Autor*innen, doch der Schauspieler und Autor Nevo Souleiman nimmt sich der deutschen Hauptstadt nochmals ganz anders an. Für uns hatte er etwas Zeit.
Was inspirierte dich zu deinem Roman? Der Roman ist im Kern aus meinem eigenen Leben entstanden – und aus den Geschichten der Menschen um mich herum. Berlin ist dabei weniger Kulisse als Zustand. Mich hat die Frage beschäftigt, ob es in dieser Stadt wirklich möglich ist, die große, echte Liebe zu finden. Manche haben dieses Glück, andere nicht. In der queeren Szene ist Sex oft leichter zu finden als Liebe. Und trotzdem ist da diese tiefe Sehnsucht nach Nähe, die uns antreibt – manchmal auch in Richtungen, die gefährlich sein können.
Nicht für die Mehrheit, aber für viele Berliner*innen ist Liebe im Rahmen einer Partnerschaft scheinbar nicht zu erlangen. Woran kann das liegen? Berlin bietet Freiheit, Vielfalt und Offenheit – aber auch emotionale Distanz. Sex ist verfügbar, Nähe ist Arbeit. Viele stillen ihre Sehnsucht mit Partys, Substanzen oder ständig neuen Begegnungen. Ich kenne das gut: Ich selbst bin oft an Grenzen gegangen – mit Drogen, Alkohol, exzessivem Sex – und habe mir lange eingeredet, dass ich die große Liebe, wie man sie aus Dramen kennt, nicht brauche. Rückblickend war das eher Selbstschutz als Überzeugung. Aber, wenn die Liebe kommt, wird sie kommen, auch ohne, dass man sich bemüht.
Bietet dein Roman da etwas Hoffnung? Ja. Wenn wir ehrlich sind, ist es doch die Hoffnung, dass noch etwas Besseres kommt, die uns durchs Leben treibt. Auch dann, wenn wir so tun, als wäre uns alles egal. Diese Hoffnung ist in meinem Buch spürbar – selbst, wenn die Oberfläche manchmal etwas anderes behauptet. Vielleicht gerade dann. Der Roman zeigt keine einfachen Lösungen, aber er zeigt, dass Sehnsucht ein Zeichen von Lebendigkeit ist. Und dass man sich ihr irgendwann stellen muss.
Bald ist Valentinstag – was fällt dir dazu Schönes ein? Ich mag solche Tage. Feiertage erinnern uns daran, innezuhalten. Im Alltag arbeiten wir zu viel, funktionieren zu oft und vergessen manchmal, bewusst Zeit miteinander zu verbringen. „Ich liebe dich“ zu sagen, braucht keinen Kalender – aber solche Tage geben uns die Gelegenheit, es uns wieder in Erinnerung zu rufen. Natürlich kann man Valentinstag wirtschaftlich kritisieren. Trotzdem: Wenn er Menschen dazu bringt, sich näherzukommen, hat er seinen Zweck erfüllt.
*Interview: Michael Rädel
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