Foto: Nadya Jakobs
Philipp W. Wilhelm, bayrischer Indie-Autor, ehemaliger Schauspieler und jetzt im Producer-Department einer Fernsehserie tätig, hat ein autofiktionales Buch geschrieben: „Rosa ist die Welt mit tiefblauen Flecken“.
„Anfang Mai erscheint mein Romandebüt bei BoD“, so der 1981 geborene Münchener Queer dazu. „Der Text ist autofiktional und beschreibt das Aufwachsen als queeres Kind in den 1980ern/-90ern in Niederbayern. Die Frage, die ich mir gestellt habe: ‚Inwiefern prägen einen die Lebensjahre 5 bis 12 in einem Umfeld, das lieber weg- als hinschaut und nicht spricht?‘“
Wie kam es dazu? Die Idee zum Buch entstand, als ich, bekennender Rocky-Horror-Fan, den deutschen Markt nach Literatur zum Thema „Einfluss der Rocky Horror (Picture) Show“ auf die Gesellschaft abgegrast habe. Es gibt keinerlei Belletristik zu diesem Thema. Allein durch die Museum Lichtspiele ist München doch so sehr mit dem Kultfilm verknüpft.
Was genau fasziniert dich denn so an der „Rocky Horror Show“? Das kleine Musical von Richard O’Brien ist für mich seit über dreißig Jahren ein Safe Space. Als ich zum ersten Mal die roten Lippen gesehen habe, die mit „Science Fiction Double Feature“ eine Einladung in eine gefährliche, aufregende Welt aussprechen, war es um mich geschehen. Ich war nie ein Disco- oder Klubgänger, aber setzt mich ins Publikum der „Rocky Horror Show“, und ich werde zum Partytier. Es ist so viel Liebe im Raum, die gemeinsam gelebt wird. DAS ist für mich Community. Und diese Faszination verbindet so viele Menschen seit über fünfzig Jahren. Das ist ein Statement.
Zuerst warst du Schauspieler. Warum hast du hinter die Kamera gewechselt? Nach siebzehn Jahren als freischaffender Schauspieler war ich erst müde von diesem unsteten Beruf – dann kam die Erkenntnis, dass ich mich „fertig gespielt“ habe. Das Erkunden von Rollen war eine Form der Therapie, mit der ich irgendwann zu mir gefunden habe. Nun brauche ich sie nicht mehr. Der Medienwelt bin ich allerdings treu geblieben und habe große Freude daran, den Zuschauenden nun anderweitig eine Ausflucht aus ihrem Alltag ermöglichen zu können.
Abschließend: Worauf freust du dich im Sommer? Ich liebe den Geruch dieser Jahreszeit. Und Spaghettieis. Ich weiß, das kann ich auch im Frühling schon haben, aber im Sommer schmeckt es einfach am geilsten!
*Interview: Michael Rädel
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