Foto: © Port au Prince Pictures
Anfang November startet „IVÁN & HADOUM“ in den Kinos. Er erzählt von einer Liebe, die sich nicht damit begnügt, privat zu bleiben. Und das Thema trans* wird einmal ganz anders eingeflochten.
Der Film führt in die glühende Landschaft Südspaniens, zu Tomaten, Plastikplanen und prekären Arbeitsverhältnissen – und mitten hinein in die Frage, wie viel Mut es braucht, das eigene Leben nicht länger nach den Erwartungen anderer auszurichten.
Foto: © Port au Prince Pictures
Der Sommer in Südspanien ist in „IVÁN & HADOUM“ kein Ferienversprechen. Die Sonne brennt auf die Gewächshausanlagen, in denen Menschen arbeiten, deren Leben weit weniger geschützt ist als die Pflanzen, die sie kultivieren. Hier, zwischen Plastikfolien und staubigen Wegen, bewegt sich Iván. Er steht kurz vor dem nächsten Karriereschritt: Manager soll er werden, ein besseres Einkommen verdienen, seiner Familie Sicherheit ermöglichen. Aufstieg lautet das Versprechen – und zugleich die Versuchung, sich mit den Regeln eines Systems zu arrangieren, das andere längst an den Rand gedrängt hat.
Foto: © Port au Prince Pictures
Dann kommt Hadoum als Saisonkraft in den Betrieb. Für Iván ist sie keine Fremde. Er kennt sie aus der Schulzeit, aus einer Zeit, in der Hadoum noch als Junge wahrgenommen wurde. Nun begegnen sie sich neu – und mit ihnen kehrt etwas zurück, das offenbar nie ganz verschwunden war. Nach einer gemeinsamen Nacht am Strand beginnt zwischen den beiden eine Beziehung, die zunächst wie ein Gegenentwurf zu der heißen, harten Arbeitswelt wirkt. Meer statt Gewächshaus, Nacht statt greller Sonne, Intimität statt sozialer Kontrolle. Doch „IVÁN & HADOUM“ ist kein Liebesfilm, der seine Figuren in eine abgeschirmte romantische Blase entlässt. Gerade darin liegt seine Stärke. Die Liebe zwischen Iván und Hadoum bleibt untrennbar mit der Welt verbunden, in der sie leben. Hadoum, die sich aufgrund ihrer marokkanischen Herkunft und ihrer Transition schon lange gegen Vorurteile behaupten muss, verweigert sich der Rolle, die ihr zugedacht wird. Sie kämpft im Betrieb für bessere Arbeitsbedingungen und damit auch gegen eine Ordnung, von der Iván beruflich profitieren könnte.
Plötzlich ist die Frage, wen Iván liebt, nicht mehr von der Frage zu trennen, auf wessen Seite er steht. Ian de la Rosa interessiert sich dabei weniger für große politische Thesen als für die kleinen Verschiebungen, aus denen persönliche Entscheidungen entstehen. Ein Blick, ein Schweigen, eine Berührung können in diesem Film mehr Gewicht bekommen als eine ausformulierte Erklärung. Die Hitze der südspanischen Landschaft wird zum emotionalen Resonanzraum: Alles scheint überladen, gespannt, kurz vor dem Moment, in dem etwas kippt. „IVÁN & HADOUM“ erzählt von einer Gesellschaft, in der Herkunft, Geschlecht, Klasse und Begehren nicht getrennt voneinander existieren. Die private Liebesgeschichte wird politisch, weil die Welt, in der diese Liebe stattfinden soll, politisch ist. Wer dazugehören darf, wer aufsteigen kann und wer unsichtbar gemacht wird, entscheidet sich nicht nur in Parlamenten oder Chefetagen, sondern auch am Arbeitsplatz, in Familien und in den Blicken der anderen. „IVÁN & HADOUM“ startet am 5. November in den deutschen Kinos.
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