Foto: Magnific / CC0 / stockking
Ein schwuler, ein queerer Ort, der den Blick verändert. Manche Locations erkennt #mensch schon, bevor sie betreten werden. Im Münchner Glockenbachviertel gehört die Kunstbehandlung seit dreißig Jahren zu ihnen. Die leuchtend rote Fassade zieht den Blick an, der bewusst unscharfe Schriftzug irritiert ihn. Ein Logo, das weniger Orientierung bietet als eine Einladung: genauer hinzusehen, Gewissheiten zu hinterfragen und den eigenen Sehgewohnheiten zu misstrauen.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1996 hat sich die Kunstbehandlung als feste Größe der Münchner Galerieszene etabliert. Mehr als 280 Ausstellungen sind in dieser Zeit entstanden – jede einzelne Ausdruck einer Haltung, die bis heute unverändert geblieben ist: die unstillbare Neugier auf Bilder, die überraschen, berühren und neue Perspektiven eröffnen. Zum 30-jährigen Jubiläum blickt die queere Galerie nicht nostalgisch zurück, sondern erzählt ihre Geschichte anhand der Künstlerinnen und Künstler, die sie geprägt haben. Wegbegleiter*innen der ersten Stunde begegnen jungen Positionen, die das Ausstellungsprogramm erst seit Kurzem bereichern. So entsteht eine Ausstellung, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und zugleich einen repräsentativen Querschnitt durch drei Jahrzehnte engagierter Galeriearbeit bietet.
Die gezeigten Werke laden zum Entdecken ein – zum Wiedersehen mit Vertrautem ebenso wie zur Begegnung mit Unbekanntem. Sie wecken kollektive Erinnerungen, eröffnen neue Assoziationsräume, überraschen mit Witz und poetischer Leichtigkeit und erinnern daran, dass Kunst immer auch ein Abenteuer des Sehens ist. Die Vernissage findet am Donnerstag, 9. Juli, ab 18 Uhr statt. Gefeiert wird in der Müllerstraße – dort, wo die Kunstbehandlung seit drei Jahrzehnten den Blick schärft, indem sie ihn immer wieder aufs Neue verunsichert. Wer nicht vor Ort sein kann, ist eingeladen, die Jubiläumsausstellung auch virtuell zu erleben. Dreißig Jahre Kunstbehandlung sind nicht nur ein Anlass zum Feiern. Sie sind ein Beweis dafür, dass Neugier die vielleicht schönste Form der Beständigkeit ist.
9.7., „30 | Die Kunstbehandlung wird 30“, Kunstbehandlung, Müllerstraße 40, München, kunstbehandlung.com
Bild: Astrid Köhler – „Die Last“, 2026
Bild: Max Ströder – „285 (Deckung)“, 2026

