Foto: B. Reich
Jesus, Benyamin Reich
Am 19. Februar eröffnet Benyamin Reich in der St. Matthäus-Kirche im Kulturforum Berlin seine Ausstellung „Parochet“. Bis zum 3. April sind seine Werke dann dort zu erleben.
Im Mittelpunkt der Ausstellung des jüdischen Künstlers steht eine monumentale Installation: der Talmudvorhang (Parochet), der während der christlichen Passionszeit den Altar der Kirche St. Matthäus verhüllt. Schon in dieser Geste verdichtet sich das zentrale Anliegen der Schau: ein Dialog zwischen religiösen Bildtraditionen, zwischen Verhüllen und Offenbaren, Nähe und Distanz des Heiligen.
Reichs Parochet ist ein textiles Geflecht aus talmudischen und kabbalistischen Texten, aus Schriftfragmenten und Bildern, durchzogen von Fotografien und Zeichnungen. Er verweist zugleich auf den Vorhang des Jerusalemer Tempels und auf die Fastentücher christlicher Kirchen – ein symbolischer Ort, an dem jüdische und christliche Rituale ineinandergreifen. Schrift wird hier zu Bild, Bild zu Text; Bedeutung entsteht nicht durch Eindeutigkeit, sondern durch das Aufwerfen von Fragen.
Ergänzt wird die zentrale Installation durch Collagen und Fotografien auf der Empore der Kirche, die die Bildsprache des Vorhangs aufnehmen und erweitern. Hellenistisch-klassische Schönheitsideale, jüdische Mystik und christliche Ikonografie treten in ein spannungsvolles Beziehungsgeflecht. Die Ausstellung entfaltet sich als Dreieck miteinander korrespondierender Themenräume, subtil verbunden durch Anspielungen auf die Sefirot der Kabbala – die göttlichen Eigenschaften. Ein leitendes Motiv ist dabei eine Ästhetik der Verletzlichkeit. Klassisch-heroische Männerkörper begegnen der leidenden Figur Jesu, Sinnlichkeit trifft auf Transzendenz, das Profane auf das Heilige. In diesen Kontrasten spiegeln sich auch biografische Spuren des Künstlers: die Suche nach Schönheit, Verführung und Glauben, zwischen modernem Berlin und dem religiös aufgeladenen Jerusalem.
So verbindet die Ausstellung drei große Traditionsstränge – jüdisch-talmudische Gelehrsamkeit, christliche Passionssymbolik und das Erbe des hellenistisch-römischen Heidentums – zu einer vielschichtigen Meditation über Körperlichkeit und Geist, Verlust und Erlösung, Verfolgung und Hoffnung. Kuratiert von Benyamin Reich selbst und begleitet von theologischer und rabbinischer Beratung, wird die Schau zu einem eindringlichen Versuch, religiöse Bildwelten nicht gegeneinander auszuspielen, sondern im gemeinsamen Spannungsfeld neu lesbar zu machen. stiftung-stmatthaeus.de
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