Foto: ARSENAL FILMVERLEIH
David Hockney
„Der Ursprung aller Kunst, der Ursprung aller Kreativität, ist Liebe. Wenn jemand glaubt, es gäbe etwas Wichtigeres, so wüsste ich gern, was das sein sollte.“
Kaum ein Satz vermag das Werk von David Hockney so treffend zu umreißen wie dieser. Nun ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Kunstwelt nicht nur einen Maler von weltweitem Rang, sondern einen leidenschaftlichen Verteidiger des Sehens, der Schönheit und der menschlichen Nähe. Und die LGBTIQ*-Community einen ihrer Großen.
Geboren am 9. Juli 1937 in Bradford, wurde Hockney zu einer der prägenden Figuren der internationalen Gegenwartskunst. Als Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Fotograf schuf er ein Werk von außergewöhnlicher Vielseitigkeit. Seine leuchtenden Landschaften, seine unverwechselbaren Porträts und seine experimentellen fotografischen Arbeiten veränderten den Blick auf die Welt – nicht durch Provokation um ihrer selbst willen, sondern durch eine unerschütterliche Neugier auf das Leben.
Immer wieder machte der Künstler auch sein eigenes Leben zum Gegenstand seiner Kunst. In Werken wie „We Two Boys Together Clinging“ bekannte der Queer sich früh und offen zu seiner Homosexualität – zu einer Zeit, als dies noch (mehr) Mut erforderte. Seine Bilder erzählten von Begehren, Zärtlichkeit und Freiheit. Sie machten sichtbar, was lange verborgen bleiben sollte, und wurden damit auch zu Dokumenten schwuler Emanzipation. Hockney war jedoch nie nur Chronist seiner Zeit. Er war ihr wacher Kommentator. Mitunter äußerte er sich pointiert und widersprach dem Zeitgeist. So beklagte er einst, viele Schwule seien heute konservativer geworden, als es die Generationen vor ihnen je hätten sein wollen. Solche Bemerkungen machten ihn nicht selten zur Reizfigur. Doch Hockney verstand Kunst nie als Ort der Anpassung, sondern als Raum der Freiheit. Seine Bilder waren von einer seltenen Klarheit. Sie feierten das Licht Kaliforniens ebenso wie die Hügel Yorkshires, die Gesichter seiner Freunde ebenso wie die Flüchtigkeit eines Augenblicks. Hinter allen stilistischen Wandlungen blieb eine Haltung konstant: die Überzeugung, dass genaues Hinschauen eine Form der Liebe ist.
Mit David Hockney geht ein schwuler Künstler von uns, dessen Werk Generationen geprägt hat. Seine Bilder bleiben. Sie erinnern daran, dass Kunst dort beginnt, wo Menschen einander wirklich ansehen – und dass Kreativität, wie er selbst sagte, ihren Ursprung in der Liebe hat. Wir werden ihn vermissen!


