Foto: Mauro Staltari, Studio Staltari
ego andaluz ist ein schwuler Künstler aus der Schweiz – und seine Kunst begeisterte uns sofort. In Zeiten von KI-generierten Bildern sind Linolschnitte etwas ganz Besonderes. Umso spannender ist das Thema seiner aktuellen Arbeit: sein vergleichsweise spätes Coming-out.
„Ich habe mich mit 30 geoutet, nachdem ich drei Jahre lang eine Beziehung versteckt hatte. Draw ist eine dreiteilige Linolschnitt-Serie über dieses Coming-out. Ich blicke auf diese Zeit zurück, ohne mich vom Ausgang beeinflussen zu lassen. Genau das war der schwierigste Teil der Arbeit: sie im Nachhinein nicht zu romantisieren“, erklärt ego andaluz. „Break steht für den Wunsch auszubrechen. Contested zeigt den Kampf zwischen zwei Seiten in einem selbst, der nie wirklich sauber endet. Reach zeigt den Moment, in dem der innere Kampf endet und zwei Versionen derselben Person beginnen, einander vorsichtig zu begegnen“, fährt er fort. „Es ist die persönlichste Arbeit, die ich je gemacht habe, und sie erscheint in einem Moment, in dem queere Sichtbarkeit so laut infrage gestellt wird wie seit Jahren nicht mehr.“
Und er verrät noch mehr Persönliches: „Mein Coming-out begann dort, wo es mir am schwersten fiel: bei meiner Mutter. Sie reagierte nicht mit vorbereiteten, perfekten Sätzen. Sie hatte selbst Angst. Nicht vor mir, sondern davor, etwas falsch zu machen. Sie sagte, dass sie mit diesem Thema bisher nie konfrontiert gewesen sei, und entschuldigte sich bereits im Voraus für Dinge, die sie vielleicht einmal falsch sagen oder tun würde. Das berührte mich sehr. Sie behauptete nicht, bereits alles zu wissen. Aber sie machte deutlich, dass sie lernen wollte. Ganz einfach war es für sie trotzdem nicht. Zwei Wochen später sagte sie zu mir: ,Entweder du sagst es deinem Vater, oder ich. Aber einer von uns macht es. Ich habe keine Geheimnisse vor ihm.‘“
ego andaluz wagte den Schritt: „An diesem Sonntag ging ich früher zu meinen Eltern nach Hause, bevor meine drei Brüder zum Essen kamen. Meine Mutter und ich standen in der Küche. Ich sagte ihr, dass ich es meinem Vater jetzt erzählen würde. Mein Herz klopfte so stark wie nie zuvor. Ich ging ins Wohnzimmer und setzte mich neben meinen Vater. Erst dort bemerkte ich, dass meine Mutter mir gefolgt war. Sie setzte sich zu uns und nahm meine Hand. Ich sagte meinem Vater, dass ich einen Mann liebe. Es wurde still. Er suchte nach Worten. Dann sagte er: ,Weißt du, egal, ob du einmal etwas sehr gut machst oder einmal etwas sehr schlecht. Egal, ob du erfolgreich bist oder krank wirst. Du bist mein Sohn, und nichts kann an meinen Gefühlen zu dir rütteln.‘ Ich fing an zu weinen. In diesem Moment fiel nicht nur der Druck von mir ab. Ich merkte, dass auch meine Mutter erleichtert war. Wir hatten uns beide vor einer Reaktion gefürchtet, die nicht kam.“ Seine Geschichte und die Geschichte hinter seiner Kunst machen deutlich, dass es auch heute nicht leicht ist, sich zu outen. Trotzdem lohnt es sich immer. egoandaluz.com
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