Foto: Phil Hessler
Bayreuth dreht den Regler auf: Alle Farben spielt zum 150. Jubiläum der Festspiele. Es gibt Orte, die scheinen für die Ewigkeit gebaut. Und es gibt Momente, in denen selbst diese Orte ihre Geschichte weiterschreiben. Im Jubiläumsjahr ihres 150-jährigen Bestehens wagen die Bayreuther Festspiele genau diesen Schritt – und laden erstmals einen Dance-Künstler in ihr offizielles Programm ein. Am 2. August wird der queere Musiker Alle Farben auf dem Gelände des Bayreuther Festspielhauses auftreten. Eine Premiere, die es in dieser Form noch nie gegeben hat.
Seit Richard Wagner 1876 den Grundstein für Bayreuth legte, gilt der Grüne Hügel als einer der bedeutendsten Orte der klassischen Musik. Hier wurde Musikgeschichte geschrieben, wurden Traditionen gepflegt und Generationen von Künstlerinnen, Künstlern und Opernliebhabern geprägt. Dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr elektronische Musik Teil dieses Kosmos wird, ist kein Bruch mit der Vergangenheit – sondern ein Zeichen dafür, dass kulturelle Identität auch durch Offenheit entsteht. Mit Alle Farben kommt einer der erfolgreichsten deutschen Electronic Artists nach Bayreuth. Mehr als 2,5 Milliarden Streams, über 35 Gold-, Platin- und Diamant-Auszeichnungen sowie Auftritte auf den größten Festivalbühnen der Welt – von Tomorrowland über Lollapalooza bis Sziget – machen ihn zu einem internationalen Aushängeschild elektronischer Musik. Nun folgt ein Auftritt, der sich weniger über Größe als über Symbolkraft definiert.
Denn Bayreuth ist kein gewöhnlicher Konzertort. Hier treffen musikalische Tradition, Architektur und Mythos aufeinander. Wenn elektronische Sounds erstmals ihren Platz im Jubiläumsprogramm finden, entsteht ein spannender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nicht als Gegeneinander von Hochkultur und Klubkultur, sondern als Begegnung zweier musikalischer Welten, die auf den ersten Blick weit voneinander entfernt scheinen – und sich gerade deshalb gegenseitig neue Perspektiven eröffnen.
Auch das Datum ist bewusst gewählt. Am 2. August 1876 wurde der Grundstein für das Festspielhaus gelegt. Exakt 150 Jahre später wird dieser Tag zum Symbol dafür, dass Geschichte nicht nur bewahrt, sondern auch weitergedacht werden kann. Damit schafft Bayreuth einen Moment, der weit über die Grenzen der Oper hinaus Aufmerksamkeit erzeugen dürfte. Die Verbindung eines weltweit erfolgreichen DJs und Producers aus der queeren Community mit einer der renommiertesten Kulturinstitutionen Europas macht den Abend gleichermaßen interessant für für ein Publikum, das vielleicht zum ersten Mal den Weg auf den Grünen Hügel findet, und dem alljährlich anreisenden Jetset.
Die Bayreuther Festspiele 2026 finden vom 24. Juli bis 26. August statt. Der Auftritt von Alle Farben ist Teil des offiziellen Jubiläumsprogramms und beginnt am Sonntag, 2. August, um 20 Uhr auf dem überdachten Vorplatz des Festspielhauses. Einlass ist ab 19:30 Uhr. www.alle-farben.com
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