Fotos: Ariola, Warner Music
Hat Miley Cyrus bei Amanda Lear genauer hingehört? Auf Social Media meldete sich die legendäre französische Sängerin und Künstlerin jedenfalls mit einem augenzwinkernden, aber durchaus deutlichen Seitenhieb zu Wort. „Danke Miley, dass du mein Lied The Sphinx kopiert hast, ich bin geschmeichelt“, schrieb Lear.
Nun kann man solche Äußerungen als charmante Ironie einer Grande Dame des Pop abtun. Doch wer sich „Red Lights“, Mileys neues Lied, und Amanda Lears Klassiker „The Sphinx“ aus dem Jahr 1978 anhört, dürfte zumindest kurz stutzen. Da sind nicht nur einzelne Klangfarben oder eine ähnliche Atmosphäre, sondern Passagen, bei denen die musikalische Verwandtschaft geradezu ins Ohr springt.
Zufall, Hommage oder doch eine allzu großzügige Inspirationsquelle? Die Grenzen zwischen musikalischer Referenz und kreativer Anleihe waren schon immer fließend. Gerade im Pop wird gerne zitiert, neu arrangiert und Altes in einen zeitgemäßen Sound überführt. Was für die einen ein cleveres Spiel mit der Musikgeschichte ist, klingt für die anderen schnell nach Déjà-vu – oder eben nach Kopie. Amanda Lear dürfte jedenfalls wissen, wovon sie spricht. „The Sphinx“ erschien 1978, zu einer Zeit, in der Lear mit ihrer geheimnisvollen, lasziven Mischung aus Disco, Glamour und elektronischen Klängen zu einer der schillerndsten Figuren der europäischen Popkultur wurde. Dass ausgerechnet Jahrzehnte später ein aktueller Popstar an diese Klangwelt anknüpft, wäre an sich noch kein Skandal. Im Gegenteil: Eine solche Referenz könnte durchaus als Verbeugung vor einer Ikone verstanden werden. Wer beide Stücke unmittelbar hintereinander hört, kommt um den Vergleich kaum herum. Und Amanda Lear selbst hat ihn mit ihrem öffentlichen Kommentar erst recht angestoßen.
Bekannt wurde Amanda Lear als Model und als Muse des Malers Salvador Dalí, berühmt wurde sie dann als Sängerin mit Hits wie „Follow Me“, „Queen of China-Town“, „The Sphinx“, „Blood and Honey“ sowie „Fabulous (Lover, Love Me)“, „Peep!“ und „Fashion Pack (Studio 54)“. Seit den 1980er-Jahren ist Amanda Lear vor allem in Italien und Frankreich als TV-Moderatorin erfolgreich, landet aber immer wieder Charterfolge. Geboren wurde sie (vermutlich) am 18. November 1939 in Hongkong (oder Saigon, je nach Quelle). Die Frage ihres Geschlechts bei Geburt kam schon in den 1970ern auf. Etwa die „BILD“ schrieb, Amanda sei im Berliner Travestietheater „Chez Nous“ aufgetreten. Und unter anderem Stars wie Romy Haag äußerten sich zu Amanda im Bezug auf Transsexualität. Sie selbst machte regelmäßig Andeutungen, ruderte dann aber wieder zurück – mitunter auch verärgert. Seit einigen Jahren zitieren Quellen im Internet immer wieder gerne eine abfotografierte Urkunde, auf der Amandas männliches (Geburts-)Geschlecht vermerkt ist.
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