Foto: Peter Wafzig
Scissor Sisters
Mit dem Hit „I Don’t Feel Like Dancin’“ katapultierten sich die Scissor Sisters 2006 weltweit an die Chartspitze und wurden zu einer der erfolgreichsten Popbands überhaupt. Das Warten auf adäquaten Nachschlag hat mit der Veröffentlichung ihres dritten, von Stuart Price (Madonna, The Killers) produzierten Party-Albums „Night Work“ zum Glück ein Ende – und das in jeder Beziehung: Denn auch auf die Live-Bühnen kehren die Scherenschwester im Juli zurück. Frontmann Jake Shears verriet blu im Interview, warum er die bunten Hosen trotzdem im Schrank lässt.
JAKE, DAS ERSTE, WAS ICH HEUTE MORGEN SAH, WARST DU IN SCHWARZER LEDERHOSE UND OBEN OHNE AUF DEM COVER DES ENGLISCHEN MAGAZINS „ATTITUDE“ ...
Ich habe einige Extra-Stunden im Gym absolviert! Nun geht der Trubel ja wieder los, da will ich gewappnet sein. Ich bin letztes Jahr dreißig geworden, da muss man etwas mehr tun.
DEUTEN DIE LEDERKLAMOTTEN AUF EINEN IMAGEWECHSEL HIN?
Schon. Ich finde, dass Popmusik in den letzten Jahren so over the top war, dass das Flamboyante anfängt, mich zu nerven. Deshalb liegt die Faszination für mich heute eher in der Zurückhaltung. Ich bin nicht mehr daran interessiert, den Preis für das ausgefallenste Bühnenoutfit zu gewinnen und damit eine Popprinzessin in den Schatten zu stellen.
EURE OPTIK PASST ZUM NEUEN ALBUM, WEIL AUCH DAS EINEN DUNKLEN SUBTEXT HAT.
Das stimmt. Es ist eine Ästhetik, die ich immer mochte, die wir aber nie in unserer Musik ausgelebt haben. Die Platte ist dunkel, aber da ist auch noch jede Menge Verspieltheit.
DIE SCHLAGZEILE AUF DEM COVER DER ZEITSCHRIFT LAUTETE: „WIE SEX DIE SCISSOR SISTERS RETTETE“. WIE IST DENN DAS ZU VERSTEHEN?
Es war mir wichtig, dass das Album nicht tuntig oder cartoon-artig rüberkommt. Ich denke, es zelebriert Sexualität. Ich wollte, dass es sexy, sexuell und verrucht anmutet. Darin habe ich die einzige Möglichkeit gesehen, sich von dem Platz wegzubewegen, an dem wir uns befanden. Auf der letzten Tour bin ich an einen Punkt gekommen, wo ich uns als unsexy empfand. Das Image der Band wurde einfach zu freundlich und harmlos. Kennst du den Song „Losing My Edge“ von LCD Soundsystem? So ungefähr war das mit uns. Der ursprüngliche Geist der Band musste wiederhergestellt werden. Der Sex musste zurück zu den Scissor Sisters.
WARUM HAST DU DANN NICHT DEINEN EIGENEN HINTERN FÜR DAS ARTWORK ABLICHTEN LASSEN?
Das Foto stammt von Robert Mapplethorpe und zeigt den Po des Balletttänzers Peter Reed. In dem Moment, als ich das Foto zum ersten Mal sah, wusste ich, dass es das Albumcover werden muss. Ich bekam es nicht mehr aus meinem Kopf. Ich finde, dieser Arsch bringt das Album in Punkto Sexgehalt und Tanzbarkeit perfekt auf den Punkt. Wenn es mein Hintern wäre, wäre es nicht so besonders.
WAS IST DRAN AN DEM GERÜCHT, DU HÄTTEST EIN MUSICAL GESCHRIEBEN?
Das stimmt! Das Musical wird im Frühling 2011 in San Francisco Premiere feiern. Es basiert auf der Novelle „Stadtgeschichten“ von Armistead Maupin und handelt von einer Gruppe Freunden im San Francisco der Siebzigerjahre. Die Charaktere sind für mich so etabliert, stark und vertraut, dass es eine bloße Freude ist, die Musik für die Bühnenversion zu schreiben.
•Interview: Katja Schwemmers
