Fotos: @djchrizzt / M. Rädel
Schon seit der letzten Jahrtausendwende ist der Musikliebhaber als DJ gut im Geschäft. Im SO36 zum Beispiel bei der Party „Studio 36“. Für uns hatte DJ ChrizzT etwas Zeit für einen Chat.
Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Kreuzberger Klub? Die Idee entstand aus zwei Richtungen gleichzeitig. Beim Gig im SchwuZ, auf dem Neunziger-Floor der vorletzten „bump!“-Party, spürte ich wieder diese besondere Energie, die ich lange vermisst hatte. Gleichzeitig entdeckte ich auf Social Media die britische Partyreihe „Don’t F**k with Disco“, die genau das zelebriert: junges Publikum, Siebziger- und Achtziger-Disco, volle Floors, echte Begeisterung. Das Konzept funktioniert in England seit Jahren hervorragend und ich fragte mich, warum es so etwas in Berlin nicht gibt. Den entscheidenden Schritt hat dann ein Gespräch mit Monique King gemacht: Wir saßen zusammen am Strand in Thailand und überlegten, wie wir etwas Neues in Berlin schaffen können. Allein hätte ich mich das ehrlich gesagt nie getraut. Monique hat mich ermutigt, das Konzept weiterzuverfolgen, und ohne sie wäre „Studio 36“ wahrscheinlich eine nette Idee geblieben, die im Sand versinkt. Ich fing an, mit vielen Menschen zu reden. Wie gehen wir heute aus, was hält uns ab? Das Ergebnis war eigentlich immer dasselbe: Niemand meiner Generation X hat mehr Lust, bis 23 Uhr oder Mitternacht zu warten, um dann erst loszugehen. Da gewinnt die Couch. Aber 19 Uhr? Das ist eine andere Geschichte. Wenn man direkt in eine Party fällt, wo schon was los ist, nimmt das mit. Und ich bin überzeugt: Wer zu „Studio 36“ kommt, zieht danach weiter. Wer aber erst mal nach Hause geht, bleibt dort.
Wie würdest du die Party „Studio 36“ beschreiben? Der Name „Studio 36“ ist eine Hommage an das legendäre Studio 54 in New York, das musikalische Vorbild schlechthin für Disco und Glamour, und steht gleichzeitig für den alten Berliner Postzustellbezirk Südost 36, nach dem auch der Klub seinen Namen trägt. Musikalisch bekommt das Ganze ein modernes Gewand. Die Richtung heißt Nu Disco, gerade sehr populär, unter anderem dank Purple Disco Machine aus Dresden oder De Soffer aus Frankreich. Das Prinzip: Man nimmt das Original, macht einen Remix, lässt aber Strophe und Refrain intakt und sampelt nicht einfach drüber. So wird aus Madonna „Like a Prayer“ oder SNAP!s „Rhythm Is a Dancer“ plötzlich ein groovendes, tanzfähiges Erlebnis für 2026. Das funktioniert auf dem Dancefloor genauso wie im Gedächtnis. Wir wollen auch was Günstiges für die Community schaffen. Der Eintritt liegt nur bei sieben Euro an der Abendkasse, und Mitglieder vom Berliner CSD e. V. haben freien Eintritt.
Stichwort Eurodance, welche drei Charthits sollten neben den üblichen Klassikern häufiger gespielt werden? Da gibt es drei Tracks, die ich immer wieder rausholen würde und die meiner Meinung nach viel zu selten gespielt werden. Ganz oben steht für mich Coronas „The Rhythm of the Night“ im Lee-Marrow-Space-Mix. Den nutze ich gerne als Opener, wenn ich in der zweiten Schicht vor einem vollen Dancefloor einsteige. Der Effekt ist jedes Mal derselbe: Die Leute sind sofort auf der Tanzfläche. Kein Track zieht so verlässlich mit. Dann gibt es einen echten Geheimtipp, den kaum jemand auf dem Schirm hat: B.G. The Prince of Rap mit „The Colour of My Dreams“. Absolut unterschätzt, läuft aber immer. Und der dritte ist für mich auch eine sehr persönliche Wahl: Ice MCs „Think About the Way“. Dieses unverwechselbare „Boom-diggy-diggy-diggy-boom“, war der erste Track, den ich als 16-Jähriger in meiner allerersten Disco gehört habe. Der hat mich damals erwischt und lässt mich bis heute nicht los.
*Interview: Michael Rädel
www.instagram.com/djchrizzt, www.facebook.com/chrizzt, www.so36.de
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