Foto: M. Rädel
RAW-Gelände
Was wäre Berlin ohne seine Künstler*innen? DJ Francis und der Künstler Tobias Ecke sind regelmäßig auf dem RAW-Gelände tätig.
Der Lokschuppen mit „Chantals House of Shame“ (Bild), das cassiopeia Berlin, die Bar zum schmutzigen Hobby, der Klub Crack Bellmer, der Klub Weiße Hase ... Alle diese Locations und queeren Adressen tummeln sich auf dem RAW-Gelände. Heute wird dafür erneut demonstriert.
Unter dem Motto „RAW FÜR ALLE – Clubkultur erhalten, Freiräume schützen“ ruft der Verein SLUST am 19. Juni erneut zu einer Rave-Demonstration in Berlin auf. Was als musikalischer Protest beginnt, ist zugleich ein deutliches Signal gegen den fortschreitenden Verlust kultureller Freiräume in der Stadt. Um 18 Uhr soll sich der Demonstrationszug am Bahnhof Ostkreuz in Bewegung setzen und bis auf das RAW-Gelände ziehen, wo die Veranstaltung gegen 21:45 Uhr enden soll. Anschließend öffnet der Klub Weißer Hase seine Türen zur gemeinsamen Weiterfeier. Für den traditionsreichen Ort ist die Woche ohnehin von besonderer Bedeutung: Der Klub begeht sein elftes Jubiläum.
Anlass der Demonstration ist die zunehmend prekäre Situation auf dem RAW-Gelände (wir berichteten), einem der letzten großen Freiräume für queere Klubkultur, alternative Kunst und subkulturelle Initiativen in Berlin. Unterstützung erhält die Aktion von der Partei DIE LINKE in Friedrichshain-Kreuzberg, die ebenso wie zahlreiche Kulturschaffende vor den Folgen einer weiteren Verdrängung warnt.
Die Sorge ist nicht unbegründet. Erst zu Beginn der Woche scheiterten die Verhandlungen über einen Bebauungsplan, der den Fortbestand der dort ansässigen Klubs und Kultureinrichtungen langfristig sichern sollte. Die Kurth-Gruppe, Eigentümerin des Geländes, zog sich überraschend aus den Gesprächen mit dem Land Berlin zurück. Vorgesehen war ein Kompromiss, der den Kultur- und Klubbetrieben ein auf 30 Jahre angelegtes Bleiberecht zu tragbaren Mieten eingeräumt hätte. Im Gegenzug sollten neue Bauvorhaben, darunter Wohnungsbau und ein Hochhausprojekt, realisiert werden können. Mit dem Ende der Verhandlungen wächst nun der Druck auf die Kulturszene erheblich. Die abstrakte Bedrohung droht zur unmittelbaren Realität zu werden. Erste Räumungen stehen bereits im Raum; besonders akut ist die Lage beim cassiopeia Berlin. Der Betreiber wurde aufgefordert, die Räumlichkeiten bis Ende des Monats zu verlassen. Heute kannst du bei der ravigen Demonstration deine Solidarität zeigen und Druck auf die recht geldverliebte Politik aufbauen!
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