Bild: Christian Thoelke – „Wall", 250 x 360cm, zwei Teile, Öl auf Leinwand, 2021
Christian Thoelkes Einzelausstellung „TERRAIN“ eröffnet am 1. Mai bei ARTES Berlin.
Seine Bildwelten speisen sich aus einem spezifischen Formenvokabular: der futuristisch anmutenden DDR-Moderne, insbesondere dem sogenannten VT-Faltendach, das einst Fortschritt und Standardisierung zugleich versprach. Diese architektonischen Versatzstücke erscheinen bei Thoelke jedoch nie als bloße Zitate. Sie werden durchsetzt von Birken und Essigbäumen – Pionierpflanzen, die sich in unwirtlichen Umgebungen behaupten und damit eine eigentümliche Gegenlogik zur Planbarkeit der gebauten Umwelt bilden. Gerade in dieser Gegenüberstellung entfaltet „TERRAIN“ seine eigentliche Spannung. Die rationalisierte, typisierte Architektur, die sich tief in das visuelle Gedächtnis Ostdeutschlands eingeschrieben hat, trifft auf eine Vegetation, die sich jeder Normierung entzieht. Es sind Bilder des Dazwischen: zwischen Kontrolle und Wildwuchs, zwischen Utopie und deren Erosion.
Christian Thoelke entwirft keine nostalgischen Rückblicke, sondern malerische Möglichkeitsräume, in denen Vergangenheit als offene Struktur erscheint. Bemerkenswert ist die theatralische Qualität der Werke. Die Kompositionen erinnern an Bühnenräume, in denen sich unterschiedliche Ebenen überlagern, als warteten sie auf eine Handlung, die nie ganz einsetzt. Der Betrachter wird so zum stillen Akteur, der Bedeutungen selbst erschließen muss.
Die Ausstellung bei ARTES BERLIN (Auguststraße 19) läuft vom 1. Mai bis zum 4. Juli, zum Gallery Weekend vom 1. bis 3. Mai gelten extra Öffnungszeiten: 18 bis 21 Uhr am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils 12 bis 18 Uhr. www.kunsthaus-artes.de
Bild: Otto Nagel – „Weddinger Jungen“, 1928, Neue Nationalgalerie. Foto: Andres Kilger, © VG Bild-Kunst Bonn, 2026
Und noch einen Tipp haben wir für dich: Die Neue Nationalgalerie startet im Rahmen des diesjährigen Gallery Weekend Berlin mit der Ausstellung „Ruin und Rausch. Berlin 1910 – 1930“ (wir berichteten). Mit dabei ist auch Kunst von unter anderem Otto Nagel (Bild oben).
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