Foto: B. Breidenstein
Mr Leather Hessen 2016: Suri
Die Amtszeit des fünften Mr. Leather Hessen neigt sich dem Ende: Am letzten Juni-Wochenende wird im Rahmen der FLC Leather Odyssey ein neuer Vertreter der hessischen Leder- und Fetischszene gewählt. Im Interview berichtet der amtierende Mr. Leather Hessen 2016 Suri von seinen Erfahrungen und macht Mut, am Contest teilzunehmen.
Suri, wie war dein Jahr als Mr. Leather Hessen?
Ich habe mich definitiv weiterentwickelt und bin an meiner Aufgabe gewachsen. Als Aushängeschild mit Vorbildfunktion habe ich mich ein bisschen ruhiger verhalten als gewöhnlich, aber ich bin natürlich der quirlige kleine Suri geblieben, der ich vorher war. Viele, die mich nur von Fotos kannten, auf denen ich eher ernst wirke, waren verwundert dass ich beim Kennenlernen viel lockerer bin. Naja, ich bin ja auch nur ein Mensch (lacht), und ich freue mich natürlich, wenn man mich anspricht.
Das tolle an einem Mr. Leather Titel ist ja, dass man rumkommt und viele Leute kennen lernt, oder?
Ja, das stimmt, man fällt schon auf mit der Schärpe. Das war auch einer der Gründe, wieso ich kandidiert habe. Vor sieben Jahren bin ich nach Hessen gezogen und habe mich hier gut eingewöhnt. Ich habe auch die Fetisch-Szene entdeckt und Leute vom FLC kennen gelernt, insbesondere über die Partys in der Grande Opera. Einfach an der Bar stehen und bei einem Bierchen über irgendetwas plaudern, von mir aus über Kochrezepte oder Häkeltipps, und nicht sofort in den Darkroom rennen zu müssen (lacht). Man denkt ja immer dass auf diesen Partys wer weiß was passiert. Zum Glück spricht man nicht ausschließlich über Häkeltipps, aber das ist halt einfach locker. Und ich habe in meinem Jahr gemerkt, dass es deutschlandweit ebenso locker ist. Ich habe mich bei allen Vereinen wirklich willkommen gefühlt, und das war echt super!
Dein Engagement für die Aids-Hilfe war dir ein besonders Anliegen!
Ich hatte mich vorher auch immer schon engagiert. Ich habe in Würzburg und Nürnberg gelebt und dort zum Beispiel Spenden für die AIDS-Hilfe gesammelt, in der AIDS-Hilfe Würzburg in der Präventionsgruppe „Schwups“ gearbeitet, in Nürnberg unter anderem bei Fliederlich e.V. mitgewirkt (das schwul-lesbische Zentrum in Nürnberg, Anm. d. Red.). Als Mr. Leather erreicht man natürlich mehr Leute. Das hat auch gut funktioniert, ich habe zum Beispiel bundesweit auf vielen CSDs Spenden für die AIDS-Hilfen gesammelt. Ich erinnere mich noch gut an den CSD Mittelhessen in Wetzlar; das war klasse, ein sehr kleiner, gemütlicher CSD. Und es war der heißeste Tag des Sommers, ich habe meinen Fetisch gehasst, aber es hat mir dennoch sehr viel Spaß gemacht, die AIDS-Hilfe zu unterstützen. Und wenn ich kein Mr. Leather mehr bin, stelle ich mich trotzdem hin und verkaufe Lose, das macht mir einfach Spaß.
Man hat richtige Aufgaben als Mr. Leather Hessen. Wie hast du das bewältigt?
Mein Mann hat mich zu vielen Veranstaltungen begleitet, ich war mit den anderen Schärpenträgern oder den ehemaligen Mr. Leather Hessen unterwegs. Mein sehr guter Freund Matthias war oft dabei. Beim Folsom Europe in Berlin habe ich ihn zwar kaum gesehen, weil ich von einem Termin zum anderen musste, und immer quer über den Platz gehechtet bin und meinen Kopf zum Verschnaufen kurz auf seine Schulter gelegt habe, und dann ging es auch schon weiter. Aber das war cool! Es gab auch Events, wo ich alleine hingefahren bin, zum Beispiel zum Hamburger Ledertreffen. Aber ich kenne ja mittlerweile Gott und die Welt habe so viele neue Bekannte getroffen, die ich sonst wahrscheinlich gar nicht kennen gelernt hätte. Es gibt natürlich die Vereinbarung, dass man zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens die Schärpe mal ablegt. Man möchte nach einer gewissen Zeit entspannen und nicht nur repräsentativ unterwegs sein.
Die inzwischen fünf Mr. Leather Hessen pflegen eine enge Beziehung und unternehmen und organisieren einiges zusammen.
Ja, Claus hatte das angeregt. Wir haben alle so unterschiedliche Charaktere, und ich finde es spannend, was man alles voneinander lernen kann. Und die Ehemaligen zeigen, dass sie sich ohne Schärpe nicht zu Hause verstecken wollen. Wir sind immer noch da, als Teil der Community, und das werden wir auch in Zukunft fortführen. Der gesamte FLC hat viele tolle Mitglieder mit vielen tollen Ideen, die den Verein weiterentwickeln. Um neue Kandidaten für den Mr. Leather Hessen zu finden, starten wir im April zum Beispiel eine Flyeraktion mit einem Foto aller bisherigen Mr. Leather Hessen.
Was kannst du Leuten empfehlen, die sich überlegen zu kandidieren?
Meine Beweggründe waren, in der Öffentlichkeit sichtbar zu sein und der Community etwas zu geben. So ein Ehrenamt ist natürlich immer auch eine Kostenfrage, weil man viel unterwegs ist. Aber mit all den positiven Erfahrungen die ich gesammelt habe, ich würde es definitiv noch einmal machen. Daher werde ich im Herbst 2017 zur Mr. Fetish Germany Wahl kandidieren.
Was wäre deine Message an die zukünftigen Kandidaten?
Dabei sein ist alles, aber das klingt immer so ausgelutscht. Wenn jemand wirklich Lust dazu hat, als Mr. Leather Hessen zu kandidieren, braucht er keinen Satz, um es zu machen.
Der neue Mr. Leather Hessen wird im Rahmen der Leather Odyssey 2017 am 24.6. gewählt, mehr Infos über www.flc-frankfurt.de
Kontakt zu Suri über Facebook unter seinem bürgerlichen Namen Manuel Fricke