Foto: Sasha Ivanov
Ich bin als biologisch männlich kategorisiert auf die Welt gekommen. Ich habe mich aber nie wirklich maskulin gefühlt, sondern war schon immer ein femininer Mensch. In meiner Kindheit habe ich das teilweise schon ausleben können. Später kamen mehrere Coming-outs: zuerst als schwuler Mann, dann als Dragqueen. In den letzten Jahren, mit Beginn meiner Talkshow #Chrischtelsplauderrunde, meinen Gästen und mit Veranstaltungen wie dem CSD, bin ich sehr viel selbstbewusster geworden und habe mehr und mehr zu meiner Identität gefunden. Heute werde ich meist als Frau wahrgenommen und gelesen. Ich liebe es, meine Weiblichkeit zu zeigen, und ich verstelle mich heute nicht mehr, indem ich sage, ich bin ein schwuler Mann oder „privat männlich“. Ich lasse mich auch nicht mehr als transident oder nicht-binär kategorisieren. Ich entscheide selbst, als was ich mich definiere: als weiblich divers. Eine bunte, diverse, feminine Mischung. Und ich denke, ich entwickele mich noch immer weiter.
Der Weg dahin war nicht einfach. Ich hatte, wie viele andere auch, mit Vorurteilen und Diskriminierung zu kämpfen. Immer wieder muss ich mich aufs Neue outen oder dafür rechtfertigen, wer ich bin. Mittlerweile werde ich fast immer als feminin gelesen, was ich sehr schön finde. Aber es ist eine Herausforderung, Behörden, ärztliche Besuche oder die Fahrkartenkontrolle zu managen. Mein maskuliner Vorname verleitet dazu, mich mit „Herr“ anzusprechen. Dann wird meine Optik gesehen und die Menschen sind peinlich berührt oder verunsichert. Ich habe lange überlegt und nun beschlossen, meinen femininen Namen auf dem Standesamt hinzuzufügen und meinen Geschlechtseintrag zu ändern. Ich freue mich auf den Julitag, wo das endlich offiziell wird. Und ich freue mich, euch auf meine Reise mitzunehmen. Egal ob ihr euch einem Geschlecht zuordnet oder nicht, ihr entscheidet.
In diesem Sinne: Auf die Diversität!
Cheers Queers