Foto: vielbunt e.V.
Unerschrocken plant der Darmstädter Verein vielbunt den Nachholtermin des im Sommer ausgefallenen „CSD Ballroom“ für Mitte Januar. Wir haben den noch unverloschenen Stern des Nachtlebens Rosa Opossum virtuell zum Interview getroffen.
Rosa, ziemlich mutig, unter den momentanen Umständen eine Party zu planen?
Mutig, oder andersherum gesagt: Wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Seit Beginn der Pandemie haben wir immer gemacht was erlaubt und sicher war. Zuerst Online-Barabende während der Lockdowns, bei denen etliche Leute zusammengefunden und eine überraschend gute Zeit miteinander hatten. Im Frühjahr und Sommer dann unsere Queergarten-Events im Hof des Queeren Zentrums. Dazwischen auch mal indoor Barabende mit Maske und Abstand und zuletzt konnten wir sogar richtig tanzen und feiern, weil alle Gäste geimpft waren. Im Queeren Zentrum ist allerdings nur begrenzt Platz, weshalb wir BALLROOM mit dem 806qm zusammen veranstalten. Das soll richtig groß werden. Immerhin holen wir nicht nur unsere CSD-Party nach, sondern wollen mit einer geilen Drag-Queen-Show auch viel Geld für die AIDS-Hilfe sammeln.
Man muss ja flexibel bleiben: Würdet ihr den BALLROOM auch ohne Tanz, als reine Show, veranstalten?
Wir haben mit dem 806qm schon öfter rauschende Feste gefeiert und viele wollen genau das wieder erleben. Für mich ist vollkommen klar: Wenn wir mit dem neuen Format BALLROOM an den Start gehen, müssen alle tanzen dürfen – nicht nur die Queens auf der Bühne. Wenn‘s im Januar nicht klappt, werden wir die Party eher verschieben als das Konzept zu ändern. An das Verschieben großer Pläne haben sich mittlerweile alle gewöhnt und es nimmt uns niemand krumm.
Viele sehnen sich ja nach der „Zeit vor Corona“ zurück; ist es nicht realistischer, sich mit einer „Zeit mit Corona“ anzufreunden? So schnell wird das ja nicht weggehen …
Ich bin keine Epidemiologin, sondern ein Partyluder, das genauso wie alle anderen jedes Jahr älter wird. Was war, ist gewesen und was jetzt ist, ist jetzt. Wir sollten vor allem nicht glauben, alles „nach Corona“ nachholen zu können. Wer weiß, wann das sein wird und wie ich dann aussehe!? Ich will nicht pathetisch klingen, aber in unserer Welt betritt jedes Wochenende ein junger Mensch voller Aufregung zum ersten Mal einen queeren Ort und jedes Wochenende finden an unseren Orten Leute die Liebe ihres Lebens (oder zumindest für eine Nacht). Menschen die die Community dringend brauchen, gab es vor Corona und auch gerade jetzt. Und die will ich nicht hängen lassen. Deshalb planen wir voller Enthusiasmus BALLROOM und denken uns pandemiekonforme Alternativen aus, wenn die vierte Welle doch noch nicht abgeebbt ist.
Deine Durchhalteparole für die Community?
Lasst euch boostern, passt auf euch auf und bleibt optimistisch. Wir halten zusammen.
15.1., „CSD Ballroom“, Queer Party für LSBTIQ* und Friends, mit DJ Leo Yamane und DJane Käry und einer Live-Show mit bekannten Drags von überall, Klub „806qm“, Alexanderstr. 2, Darmstadt, 23 Uhr, www.vielbunt.de, www.806qm.de