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Der Umzug des CSD-Straßenfests ans Mainufer hat sehr gutgetan: Mehr Platz, mehr frische Luft, mehr Bäume, mehr Grün. Auf der gut zwei Kilometer langen Meile fanden daher auch bisher nicht ausreichend umsetzbare Projekte wie die Family-Area, der Chill-out-Bereich für Jugendliche, die Kultur-Bühne und die Disco-Area endlich den Platz, der ihnen gebührt. Sogar ein Riesenrad passte da noch hin. Das alles macht das CSD-Straßenfest zum CSD-Festival – ein neues Level.
Bei den Besuchenden kam das durchweg sehr gut an, sieht man von vereinzelten Nörglern ab, die es aber eigentlich schon immer gab: von Verkommerzialisierung des CSDs und Zerstörung des Bermudadreiecks war die Rede: kritisiert wurde auch, dass mit dem Mainufer der CSD nicht mehr mitten in der Stadt sei. Aber: Die Stadt verändert sich, die Community verändert sich – und wäre es nicht schade, wenn der CSD sich nicht auch mitverändern würde? Und mit Verlaub: Die Mainuferstraße hinter dem Römer als „außerhalb der der Stadt“ zu bezeichnen …
Auch die Stadt legte sich in Zeug und beflaggte zusätzlich zum Römer auch die Untermainbrücke und die Alte Brücke mit Regenbogenfahnen und ließ den Eisernen Steg in Regenbogenfarben beleuchten. Zur Demo-Kundgebung war erstmals eine große Bühne mit Soundsystem auf dem Römerberg aufgebaut, so dass man zum ersten Mal die Reden auf dem gesamten Platz verstehen und die Redner*innen sehen konnte. Leidenschaftliches Empowerment kam diesmal von Hessens Sozialministerin Heike Hofmann, CSD-Sprecher Sebastian Reggentin, Magistratsmitglied Christian Setzepfandt und Comedienne Enissa Amani. Besonders erwähnenswert: Moderator*in Janboris Ann-Kathrin Rätz zeigte, dass man präsent, sichtbar und hörbar sein kann, ohne rumschreien zu müssen: „Share Love, weil wir schon genug Hass in der Welt haben“. Respekt und Dank dafür.
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Rund 15.000 Menschen nahmen unter dem Motto „Nie wieder still – Frankfurt ist laut“ an der Demo teil, 108 Gruppen waren angemeldet. Auf Plakaten war viel Kritik an Ungleichbehandlung und an homofeindlichen Politikern wie Merz, Orban und Putin zu sehen. Hatte man sich früher vielleicht noch darüber aufgeregt, wenn große Konzerne an der Demo teilnehmen („Verkommerzialisierung“, „Pinkwashing“), betrachtet man das heute vielleicht etwas anders: Gerade in Zeiten, wo Diversity-Engagement wieder vernachlässigt oder ganz eingestellt worden ist, war es den hier Anwesenden offenbar gerade deswegen umso wichtiger, weiterhin Flagge zu zeigen. Gut so!
Laut Polizei kam es zu keinen größeren Zwischenfällen auf Demo und Fest. Für Irritation sorgte eine Bühnen-Performance am Samstagabend, die sich zum Nahostkonflikt äußerte. Der CSD-Verein bezog noch in der Nacht Stellung und wertete die Performance als Verstoß gegen die Grundsätze des CSD Frankfurt: „Unsere Bühne ist ein Ort, an dem Empowerment und konstruktiver Dialog im Zentrum steht. Dazu gehört auch, dass komplexe politische Themen differenziert und verantwortungsbewusst behandelt werden. Wiederholte, einseitige Parolen im Kontext des Nahostkonflikts, insbesondere das mehrfach skandierte ‚Free Palestine‘ (…) waren in ihrer Pauschalität unangemessen und haben ein hochkomplexes Thema auf eine plakative Botschaft reduziert. Dies wird der Sache nicht gerecht. (..) Wir stellen klar: Unsere Bühne darf nicht instrumentalisiert werden für einseitige Schuldzuweisungen oder zur politischen Mobilisierung, die keinen direkten Bezug zu queeren Lebensrealitäten erkennen lässt“, hieß es von Seiten des CSD-Teams.
Ein heftiges Unwetter zwang den CSD am Sonntagabend gegen 17:30 Uhr zur Unterbrechung des Festes und kompletten Räumung der Ufermeile. Nach gut zwei Stunden konnte weitergefeiert werden – ein umjubeltes Finale gab es also trotzdem noch.
Alles in allem also ein großartiges CSD-Festival-Wochenende, das sehr viele Menschen ans Mainufer lockte, viel Empowerment schenkte und gemeinsam friedlich ein Zeichen für queeres Selbstverständnis setzte. Der CSD Frankfurt ist an neuen Ufern – alles ist im (und am) Fluss!








