Foto: Felix Holland
Freies Schauspiel Ffm Eddy UNBEARBEITET
Im November und Dezember zeigt das Titania noch einmal die gefeierte Inszenierung von Bettina Kaminski, die auf den beiden Romanen „Wer hat meinen Vater umgebracht“ und „Das Ende von Eddy“ das französischen Literatur-Shootingstars Édouard Louis basiert.
Im ersten Roman „Das Ende von Eddy“ beschreibt Louis seinen eigenen Befreiungskampf aus den prekären Verhältnissen seiner Familie: Eine Arbeiterfamilie ohne Zukunftsperspektive, dafür ein Leben mit Frustration, Gewalt und Angst, und für Eddy vor allem auch mit offensiver Homophobie. In „Wer hat meinen Vater umgebracht?“ erklärt er die Geschehnisse aus der Perspektive seines Vaters und prangert damit die gesellschaftlichen und politischen Ursachen an.
Bettina Kaminski verbindet die beiden Romane zu einer Untersuchung dessen, wie sich Politik in die Körper von Menschen einschreibt. Kaminski stellt traditionelle männliche Rollenbilder in Frage, die Gewalt, Hass auf Homosexualität und Unterdrückung der eigenen Gefühle bedeuten. Die Wucht von Édouard Louis‘ Texten entlädt sich auf der Bühne mit zwei Schauspielern und einem Schlagzeug.
„Ich habe nach Schauspielern gesucht, die sehr körperlich sind und eine gewisse Sensibilität mitbringen“, erklärt Bettina Kaminski „Die Texte spielen in einem reichen Land Mitteleuropas – das könnte ebenso gut Deutschland oder England sein – und der Staat und die Gesellschaft ziehen sich mehr und mehr aus ihrer sozialen Verantwortung heraus. Es ist nicht mehr die Solidargemeinschaft, die Schwächere, Kranke, Arbeitslose und andere unterstützt und Verantwortung übernimmt, sondern der Einzelne ist selbst schuld, keine Arbeit zu finden, krank zu werden etc. Und das ist ein Skandal“, so Kaminski.
8.11., Titania, Basaltstr. 23, Frankfurt, 18 Uhr, weitere Vorstellung am 3.12. um 20 Uhr, freiesschauspiel.de