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Bereits seit 30 Jahren besteht in Frankfurt die Gruppe „40plus“. Für schwule Männer ab 40 Jahren bietet sie einen Ort für Austausch und Aktivitäten. Kürzlich löste sich das bisherige Koordinationsteam aus Altersgründen auf. Es war unklar, wie und ob es mit der Gruppe weitergeht. Thomas Harnischfeger ist einer aus der Gruppe, der sich dazu bereiterklärt hat, Teil eines neuen Orga-Teams zu sein. Wir trafen ihn und sprachen über die aktuellen Herausforderungen.
Thomas, die Gruppe „40plus“ gibt es bereits seit 1996. Du bist seit sechs Jahren dabei. Was hat dich persönlich an dieser Gruppe angesprochen, und wie kamst du dazu? Ich bin 50 Jahre nach meinem Abitur wieder nach Frankfurt zurückgekehrt und kannte im Prinzip niemanden mehr. Also habe ich im Internet nach Anschluss gesucht und bin so auf die Gruppe aufmerksam geworden. Detlef Schmidt, der die Gruppe damals leitete, antwortete mir sehr schnell und so nahm ich an der ersten Veranstaltung teil.
Wer sind die Menschen, aus denen sich die Gruppe „40plus“ heute zusammensetzt? Der Kern der Gruppe ist tatsächlich seit der Gründung mit dabei. Das heißt, dass alle Männer gemeinsam älter geworden sind und mittlerweile so gut wie alle im Rentenalter sind. Eingeladen werden um die 50 Personen, von denen dann oft zwischen 10 und 20 bei den Aktivitäten dabei sind. Leider wird die Gruppe mit steigendem Alter der Mitglieder auch immer kleiner, sodass wir uns freuen, wenn sich im Ruhestand befindende queere oder homosexuelle Personen Lust haben, sich uns anzuschließen.
Du sprichst von queeren Personen. Heißt das, dass ihr mittlerweile auch für Leute offen seid, die sich nicht als männlich und schwul identifizieren? Wenn die Chemie stimmt und sich die Person bei uns wohlfühlt, wieso nicht! Ein Hetero-Paar und eine Künstlerin kommen zum Beispiel oft zu unseren Veranstaltungen, weil sie sich bei uns wohlfühlen.
Kürzlich hat sich das langjährige Koordinationsteam aus Altersgründen zurückgezogen. Wie hast du diese Phase erlebt, in der zunächst unklar war, ob es mit der Gruppe weitergeht? Gab es einen Moment, in dem du dachtest: Vielleicht war es das jetzt? Es gab mehrere, die gedacht haben, dass jetzt alles zusammenbricht. Jemand aus dem früheren Orgateam starb sehr plötzlich. Er war derjenige, der sich um unsere Homepage kümmerte. All seine Passwörter sind mit ihm im Grab gelandet. Momentan weiß niemand, wie wir unsere Seite wieder aktualisiert bekommen. Deswegen möchten wir jetzt professionelle Hilfe holen und das wieder in den Griff bekommen.
Illustration: 40PLUS
Wie kam das neue Koordinationsteam zusammen, und was hat euch motiviert, Verantwortung für die Zukunft der Gruppe zu übernehmen? Ein Mitglied des neuen Orgateams war auch Teil des vorherigen Orgateams. Er war für die Finanzen zuständig und dient sozusagen als Bindeglied. Im neuen Team verschickt er zum Beispiel die Einladungen an die Mitglieder, während wir uns um Ideen für anstehende Aktivitäten kümmern. Für uns Neue war es toll, jemanden mit so viel Erfahrung dabei zu haben und das hat uns auch motiviert, diese Aufgabe zu übernehmen.
Welche Rolle spielt Kontinuität bei einer Gruppe mit 30jähriger Geschichte – und wo sind aus eurer Sicht bewusst Veränderungen notwendig? Kontinuität ist einerseits wichtig, lässt unsere Gruppe aber auch immer weiter schrumpfen. Wir möchten deswegen neue Leute motivieren, zu unseren Treffen zu kommen. Am besten im Rentenalter, damit sie zeitlich auch verfügbar sind und nicht nur an Wochenenden kommen können.
Welche Formate, Treffen oder Aktivitäten sind für die kommende Zeit geplant, und worauf dürfen sich die Mitglieder besonders freuen? Für den ersten Samstag im Juli ist eine Wanderung geplant. Am 8. Juli werden wir den Jüdischen Friedhof in der Nähe des Börneplatzes besichtigen und uns anschließend zu Kaffee und Kuchen zusammensetzen. Und dann kommt natürlich der CSD. In welcher Form wir uns dieses Jahr beteiligen, steht bisher nicht fest.
Wie wichtig ist für euch der geschützte Raum einer solchen Gruppe – gerade in einer Zeit, in der sich gesellschaftliche Diskurse wieder zuspitzen? Das LSKH bietet uns einen wichtigen Schutzraum für unsere regelmäßigen Kulturabende. Unsere Mitglieder nehmen die Rückschritte in unserer Gesellschaft wahr. Ich persönlich schaue mich auch immer erst um, wenn ich das LSKH verlasse.
Was möchtest du Männern sagen, die von „40plus“ hören, aber noch zögern, zum ersten Mal zu einem Treffen zu kommen? Sicherlich muss man einen gewissen Mut mitbringen, wenn man das erste Mal oder alleine zu uns kommt. Aber die Treffen sind unverbindlich und man kann einfach jemanden ansprechen, wenn man da ist. Ich bin der Gruppe jedenfalls sehr dankbar, dass sie mich nach über 50 Jahren Abstand von Frankfurt so herzlich aufgenommen hat. So konnte ich wieder ins Stadtgeschehen reinkommen und man sieht manchmal auch Dinge, an die man nie denkt. Neulich haben wir zum Beispiel mal einen Blick hinter die Kulissen in der Alten Oper gewagt. Es lohnt sich einfach.
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Interview: Philippe Hofmann