Foto: Tristan Bortlik
Kitty Bambule
Im September steigt die nächste „Pride on Stage“-Show im Frankfurter Kellertheater. Der Abend, der bereits zum vierten Mal stattfindet, möchte die bunte Vielfalt queeren Entertainments und queerer Talente feiern; wir haben vorab mit einer der Darstellerinnen, Kitty Bambule, gesprochen.
Drag-Shows boomen noch immer – was ist das Besondere der „Pride on Stage“?
Es ist die aufregende Mischung aus klassischem Drag, Theater, Burlesque, Tuntennummern und Kunstperformances. Wir haben wirklich immer ein buntes, abwechslungsreiches Programm.
In unseren Planungstreffen ergeben sich oft tolle Synergien, Ideen für gemeinsame Nummern und eine produktive unterstützende Atmosphäre. Das Kellertheater mit seinem familiären Umfeld trägt ebenfalls dazu bei, denn alle, die sich hier engagieren, tun dies ehrenamtlich. Mit Mathias Hundt hatten wir die letzten Jahre immer eine versierte Bühnentechnik, die vor keiner verrückten Idee zurückscheut. All diese Dinge übertragen sich auf die Bühne und machen die Show besonders: Ausgelassen, lebensfroh, ernsthaft und verbindend – wie das Leben eben.
Seid ihr eine feste Truppe, die regelmäßig zu gemeinsamen Shows einlädt?
Pride on Stage findet in dieser Form bereits zum vierten Mal statt! Hervorgegangen ist es aus einer One-Queen-Show der Travestiekünstlerin Vega, immer zum CSD-Sonntag im Kellertheater. Sie wollte es dann mal etwas größer aufziehen und so wurde Pride on Stage geboren. Wir haben einen festen Kern: xXx-Tina (Produktion und Organisation), Klitza, Kaida und ich. Jedes Jahr kommen unterschiedliche Performer:innen dazu, für einen Gastauftritt oder für mehrere Vorstellungen.
Zu dritt hatten Klitza, xXx-Tina und ich außerdem bereits unvergessliche Auftritte auf vielen Bühnen wie der vielbunt-AIDS-Gala in Darmstadt, dem Nocturnal-Unrest-Festival im Mousonturm und dem Internationalen Frauen* Theater Festival in Frankfurt – auch wenn ich natürlich viel zu jung bin, aber ich bin schon so was wie eine Drag-Mutti (lacht)
Wie bist du zu Drag gekommen und was zeichnet dich on Stage aus?
Ich hatte schon immer ein Faible für die Verwandlung – und das Glück, dass meine Familie da sehr offen war: Fasching war für mich der höchste Feiertag, und meine Oma hat mir tolle Kostüme genäht. Das hat sich bis ins Erwachsenenalter gehalten, und ab einem Punkt hatte ich einfach zu viele Perücken – da gab es keinen Weg zurück (lacht)
Im Ernst: Drag gibt mir die Möglichkeit, einen wichtigen Teil meiner Persönlichkeit auszuleben, kreativ zu sein und Leute zu begeistern. Kitty ist ein „Girl next door“ und ein glamouröses Showgirl – und ein bisschen schwäbisch-patente Hausfrau. Wenn sich Leute mit einem Teil von Kitty identifizieren können, freut mich das sehr.
Was ich auf der Bühne transportieren möchte, sind universale Werte: Seid nett zueinander, behandelt andere so, wie ihr selbst behandelt werden wollt. Warum halten wir oft an solchen starren Normen fest, die der Vielfalt des Lebens kaum gerecht werden? Kurzum: Mut zur Schangeligkeit!
Außerdem freue ich mich, wenn Leute einfach eine gute Zeit haben und Drag – auch außerhalb queerer Kreise – seine verbindende Kraft entfalten kann. Wenn es den Leuten Spaß macht, wenn sie ihre Überzeugungen hinterfragen und offener auf andere zugehen, dann ist das für mich ein Erfolg.
Der Begriff „Schangeligkeit“ ist mir im Drag-Kontext schon öfters aufgefallen – was bedeutet das? Und ist „Pride on Stage“ auch schangelig?
Ja, Pride on Stage ist unfassbar schangelig! Der Begriff kommt aus dem Tunten-Kontext und ist ein Gegenkonzept zum Optimierungs- und Perfektionsdrang in unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Etwas weniger hochtrabend würde ich sagen: Es geht ums Ausprobieren, sich selbst verwirklichen und sich und andere unterhalten. Schangeligkeit heißt Scheitern und gerade deswegen weitermachen. Also alles, was die queere Community seit jeher ausmacht – und immer ausmachen wird: Leben, wie man es fühlt, statt wie man es soll.
Wer wird im September dabei sein – und was bringen die einzelnen Künstler*innen auf die Bühne?
Jacques le Fraque steht bereits seit 30 Jahren auf der Bühne und ist dieses Jahr zum ersten Mal als Jacques bei Pride on Stage dabei. Charmant und stimmgewaltig säuselt er den einen oder anderen Chanson, der die Herzen zum Schmelzen bringt.
Bereits zum zweiten Mal dabei ist Krimsekthild Brutalisma von Stiefelknecht – Ich sage nur: der Name ist Programm!
Mit Lindsay Lowhäng haben wir eine erfahrene Show-Tunte am Start, die in ihrer eigenen Show „Ranzig“ in Mainz regelmäßig die Grenzen des Showtuntentums und des Geschmacks auslotet.
Kaida Adaik ist mittlerweile eine feste Burlesque-Größe in Rhein-Main und darüber hinaus und stand mit ihrer Mischung aus Comedy, Tanz und Glitzer schon auf Bühnen in Berlin, Stuttgart und Rijeka.
Klitza Labia G. Toris ist so vielseitig, man weiß nie was man bekommt: Feministische Bildung oder dirty Dancemoves. Dieses Jahr wird es auf jeden Fall f*tzig!
xXx-Tina Agorilla Geleckticka Cruisella d'Evil spielt seit 24 Jahren Theater. Sie gräbt leidenschaftlich gerne queere Texte und Lieder aus den letzten Jahrhunderten aus. Mit der Biographie von Franz Siedersleben bringt sie queeres Begehren, Scheitern und Kämpfen aus der Zeit um 1900 auf die Bühne.
20. und 27.9., Kellertheater, Mainstr. 2, Frankfurt, 18 Uhr, Tickets über kellertheater-frankfurt.de