Foto: Robert Schittko
Die Heussenstamm Galerie zeigt derzeit die Ausstellung „Kolay gelsin, abla“ des multidisziplinären Frankfurter Künstlers Robert Schittko über queere Lebensrealitäten in Istanbul. Am 4. Juli wird das dazugehörige Buch „The Stories of Marmara“ vorgestellt.
2025 verbrachte Robert Schíttko eine sechsmonatige Künstlerresidenz in Istanbul. Vor Ort hatte er Kontakt zum queeren Aktivismus-Netzwerk Lambda aufgenommen. Seine ursprüngliche Idee, unter anderem queere Aktivist*innen auf der Straße zu porträtieren, musste schnell der Realität weichen, die die dortige Community erfährt: öffentliche Repressionen gegen Queers, die Schittko zum Teil selbst miterlebte. „Es hat mich schockiert, weil ich so etwas noch nicht kannte“, erzählt Schittko. „Ich habe angefangen zu schreiben, um mich zu sortieren. Ich habe die Gefühle und Geschichten meiner Freund*innen schriftlich eingeordnet, um das alles zu verstehen.“
Das so entstandene Buch „The Stories of Marmara“ enthält Schittkos Beobachtungen und Gedanken: Alltag in Istanbul, Alltag in der queeren Szene, Gespräche, geheime Partys, Stromausfälle, Katzen und die Hitze, aber auch die Irritation, die Freude, die Wut und manchmal auch die Hilflosigkeit: „Ich frage mich, was Aktivismus sein kann, wenn ich mich nicht einmal traue, hier in Istanbul zur Pride zu gehen. Und auch Öner sagt, er schäme sich manchmal dafür, dass er sich aus Angst nicht traut, dorthin zu gehen. Ich verstehe das gut. Ich traue mich ja selbst nicht und sitze seit sechs Monaten in dieser Zerrissenheit fest: beobachten und gleichzeitig nichts tun“, heißt es im Buch.
Foto: Robert Schittko
Robert Schittko: „Bassen“, 2025, aus dem Buch „The Stories of Marmara“
Foto: Robert Schittko
Robert Schittko: „Kerem auf ihrem Balkon“, 2025
Angenehm ist, dass Robert Schittko sich trotz seiner aufmerksamen Beobachtungen und gesammelten Erfahrungen nie als Istanbul-Experte ausgibt, sondern immer hinterfragt, wie viel man überhaupt verstehen kann, als jemand, der nur kurze Zeit als Gast dabei gewesen ist. Alles bleibt unverfälscht, authentisch und sehr menschlich.
Ergänzt wird das Buch durch Porträts queerer Menschen und Situationen, denen Schittko während seines Aufenthalts in Istanbul begegnet ist.
4.7., Buchvorstellung „The Stories of Marmara“ und Künstlergespräch mit Robert Schittko, Heussenstamm Galerie, Braubachstr. 37, Frankfurt, 16 Uhr.
Die Ausstellung „Kolay gelsin, abla“ mit Fotografien, Keramikarbeiten und Zeichnungen ist noch bis 18. Juli zu sehen. Tipp: am 8.7. gibt es ab 18 Uhr im Rahmen der Ausstellung einen Galerie-Barabend
Lest auch unser Interview mit Robert Schittko zur Ausstellung.