Foto: Wango Deligiannis
Vanessa P.
Wenn im Sommer die farbenfrohe CSD-Zeit beginnt und wir der Welt zeigen, dass wir präsent sind, haben wir alle das Gefühl von Zusammenhalt und Sichtbarkeit.
Und genau das ist wichtig. Gerade jetzt.
Ich kann mich an Zeiten erinnern, da hatten wir nach unseren Shows oder Clubabenden keine Angst im Fummel auf die Straße zu gehen. Wir haben gelacht, das Leben gefeiert, ohne groß nachzudenken.
Das tun wir natürlich heute auch noch, aber etwas ist anders. Die Stimmung ist rauer geworden. Der Hass gegenüber der Community bleibt nicht mehr nur im Internet. Ich spüre ihn inzwischen auch im Alltag. Ich gehe heute nach Shows nicht mehr einfach so ohne Begleitung los in die Szene – aus Angst von Anfeindungen und Angriffen. Und trotzdem dürfen wir uns davon nicht kleinkriegen lassen. Wir sollten darüber in der Öffentlichkeit reden, kommunizieren und wenn es sein muss vielleicht auch warnen und publik machen. In diesem Fall hilft Zusammenhalt.
Und wir sollten uns daran erinnern, worum es beim Pride eigentlich geht: Nicht darum, wer „queer genug“ ist oder wer die lauteste Meinung hat. Sondern darum, füreinander da zu sein. Denn egal ob schwul, lesbisch, trans, non-binär oder Drag Queen: Wir gehören alle zur selben Community!
Und an alle Allies: Danke, dass ihr mit uns feiert. Aber wir brauchen euch nicht nur auf der Tanzfläche oder bei der Demo, sondern auch dann, wenn im Alltag dumme Kommentare fallen oder Menschen ausgegrenzt werden. Haltung zeigen macht den Unterschied.
Also lasst uns nicht nur feiern, sondern wieder näher zusammenzurücken mit gegenseitigem Respekt und Herz.
Wir haben schon so vieles gemeinsam geschafft, und das werden wir auch noch hinbekommen.
Die eine oder der andere braucht vielleicht ein wenig länger, aber wie sage ich immer?
Nobody is perfect, Darlings!