Foto: Leon Gnannt
Obertunte (rechts im Bild) als Ottilie Toujour und Trine Trabant als Barkeeper.
Mit ihrem Drag-Kabarett „Ich hab’ noch einen Koffer in BaWü“ begibt sich Obertunte, „Oberschwäbin im Berliner Exil, Hobby-Archivarin und altes Zirkuspferd“, auf eine ebenso persönliche wie poetische Reise durch die Zwischenräume von Herkunft und Selbstfindung.
Abseits der großen urbanen Bühnen führt sie ihr Programm bewusst dorthin, wo queeres Leben oft unaufgeregt passiert wird: in die ländlichen Regionen, in Orte wie Ravensburg oder Villingen-Schwenningen, wo Biografien nicht selten von Aufbruch und Ambivalenz geprägt sind.
Am 15. Mai macht das Stück um 20 Uhr in der Zehntscheuer Ravensburg Station – und entfaltet dort seine leise Wucht. In schillernden Bildern und mit feinem Gespür für Zwischentöne erzählt Obertunte von der queeren Landflucht, nicht als bloßem Fortgehen, sondern als notwendigem Akt der Selbstbehauptung. Es ist ein Erzählen von Abschieden, die schmerzen, und von Ankünften, die nie ganz frei von Zweifel sind.
Dabei durchzieht das Programm, auch mit Liedern von Marlene Dietrich und Hildegard Knef, eine zarte, fast sehnsüchtige Frage: Kann ein Ort, der einst Enge bedeutete, jemals wieder Weite versprechen? Oder ist Heimat weniger ein geografischer Punkt als vielmehr ein innerer Zustand – etwas, das sich nicht finden, sondern nur erarbeiten lässt? Obertuntes queeres Kabarett antwortet darauf nicht mit Eindeutigkeit, sondern mit Wärme, Witz und einem liebevollen Blick auf die Brüche, aus denen neue Zugehörigkeit entstehen kann.
15.5., „Ich hab’ noch einen Koffer in BaWü“, Zehntscheuer Ravensburg, Grüner-Turm-Straße 30, Ravensburg, 20 Uhr, lambda-bw.de/queer-durchs-laendle/#wann-wo
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