MIQ-Jahresbericht-2025
Seit dem 17. März 2025 können queerfeindliche Vorfälle anonym bei MIQ NRW gemeldet werden. Für das Kalenderjahr 2025 wurden 258 Vorfälle ausgewertet. 76 Prozent meldeten Betroffene selbst, 16 Prozent Zeug*innen und acht Prozent Organisationen. Erfasst werden auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze.
Alltag statt Ausnahme
Knapp zwei Drittel der Meldungen (64 Prozent) wurden als Belästigung eingeordnet, darunter Anfeindungen, Beleidigungen, Erniedrigungen und Mobbing. Hinzu kommen körperliche Gewalt, Sachbeschädigungen, Mikroaggressionen und strukturelle Diskriminierung. Am häufigsten wurden Vorfälle im öffentlichen Raum gemeldet: 111 Fälle oder 43 Prozent. Bildungseinrichtungen folgen mit zwölf Prozent, Einzelhandel und Dienstleistungen mit zehn und digitale Räume mit neun Prozent.
Von den 196 selbst Betroffenen waren 94 (48 Prozent) trans* und/oder nichtbinär. Trans*feindlichkeit und Schwulenfeindlichkeit waren mit jeweils 35 Prozent die häufigsten gemeldeten Formen. Nichtbinär- und Lesbenfeindlichkeit kamen jeweils in 16 Prozent der Fälle vor. Bei 22 Prozent spielte zusätzlich zur Queerfeindlichkeit auch Sexismus oder Frauenfeindlichkeit, Rassismus oder Ableismus eine Rolle.
Wie groß das Dunkelfeld bleibt, zeigt der Umgang mit den Vorfällen: Nur elf Prozent wurden bei der Polizei gemeldet, nur vier Prozent suchten eine Beratungsstelle auf. Bei 57 Prozent blieb die Meldung an MIQ NRW die einzige Maßnahme. Die Folgen sind trotzdem real: Knapp 39 Prozent der Betroffenen berichten von psychischen Auswirkungen wie Angst, Ohnmacht oder Hilflosigkeit.
MIQ NRW ist Teil des Meldestellenverbunds NRW, dem außerdem MIRa, MEDAR und DINA angehören. Gemeinsam dokumentieren die vier Stellen Queerfeindlichkeit, antimuslimischen, anti-Schwarzen und antiasiatischen Rassismus sowie Antiziganismus. Ihr gemeinsamer Bericht zeigt, dass viele Diskriminierungserfahrungen unterhalb strafrechtlicher Schwellen bleiben. Für 2025 wurden 571 rassistische und queerfeindliche Vorfälle ausgewertet. Die Meldestellen fordern mehr Prävention und Schutz, Schulungen bei Polizei und Behörden sowie dauerhaft finanzierte Beratungsangebote in ganz NRW.