Sommerferien am Donauufer, eine katalanische Familie radelt den Fluss entlang. Während seine Eltern in Erinnerungen an ihre Jugend schwelgen und seine jüngeren Brüder seine Nähe suchen, ist der sechzehnjährige Dídac (Jan Monter Palau) allein und still. Sein Herz schmerzt einer unerwiderten Liebe nach. Doch plötzlich sieht er an jedem Stopp der Reise denselben rätselhaften Jungen (Francesco Wenz), im Wasser und an Land, in der Ferne und ganz nah. Und jedes Mal zieht es Dídac etwas mehr in den Bann des Fremden hinein.
„Strange River“ ist ein Film, der fließt – zwischen Mensch und Natur und dem Übernatürlichen. Ein sinnlich-verführerischer Beitrag für den Kanon queerer Coming-of-Age-Geschichten, voller Sehnsucht und Geheimnisse. Im Stil romantischer Gemälde des 19. Jahrhunderts interpretiert Jaume Claret Muxart die Donau als erhabene Trägerin uralter Mysterien, lyrisch und traumgleich auf 16-mm gebannt.
Foto: Salzgeber
Dass dieser Film trotz seiner Ruhe einen betörenden Sog entwickelt, hat auch viel mit den beiden jungen Darstellern Jan Palau Monter und Francesco Wenz zu tun. Während der katalanische Palau Monter überzeugend die innere Sehnsucht des Erwachsenwerdens offenlegt, liegt die großen Leistung des deutschen Shooting-Stars Wenz in der eleganten Zurückhaltung: Als märchenhaftes Wesen, das vielleicht real ist oder ein manifestierter Sommernachtstraum, umfasst seine Rolle nur wenige Worte – trotzdem entwickelt er dabei eine Präsenz, die ihn immer wieder ins Zentrum dieses Films rückt. Und auch das Publikum tief in seinen Bann zieht.
Ohne viele Worte verändert dieser schöne Fremde alles: Am Ende dieses Sommers wird Dídac ein anderer sein, das Familiengefüge neu zusammengelegt. Es gilt, in das Begehren einzutauchen, die Ängste abzuwaschen.
Seit seiner Weltpremiere auf dem Filmfestival in Venedig ist „Strange River“ weltweit gefeiert und ausgezeichnet worden. Der Film wurde für acht Premios Gaudís nominiert, beim Münchner Filmfest wurde er mit dem CineCoPro Award bedacht, dem höchstdotierten Hauptpreis des Festivals. Am 27. August startet der Film offiziell in den deutschen Kinos. Schon zuvor zeigt der Verleih Previews im Rahmen der Queerfilmnacht.
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„Strange River“ ist für Jaume Claret Muxart auch eine hochpersönliche Angelegenheit – sein Langfilmdebüt entstand aus den Radtouren, die er mit seiner Familie entlang verschiedener Flüsse unternommen hat. „Ich wollte einen Film drehen, der die Einzigartigkeit dieser Reisen erzählt“, sagt er und meint das Leben auf Campingplätzen und in Herbergen, Momente der Ruhe, die Hitze, das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Windes, das eiskalte Wasser, den Regen. „Um diese Augenblicke einzufangen, habe ich sie über viele Jahre beobachtet, in einem Zustand ständiger Veränderung – wie Wasser.“ Zentral dabei die Rolle des Flusses, der Donau: faszinierend und geheimnisvoll, sich immer wieder selbst verändernd, wie ein sechzehnjähriger Teenager – wie Dídac.
Claret Muxart erklärt die Jugend und das Erwachsenwerden damit gewissermaßen zu einem filmische Subgenre: Als eine entscheidende Phase, in der sich die Sichtweise auf die Welt und auf das Selbst verändert. Und das Kino – als Kunst der Zeit, der Ellipse und der ständigen Veränderung – eignet sich besonders gut, diesen Übergang darzustellen. „Dieser Film ist auch eine Hommage an meine eigene Familie“, sag der Regisseur: „Eine Möglichkeit, meine eigene Erziehung zu zeigen und die Leidenschaft darzustellen, mit der Eltern ihren Kindern das Leben und die Kunst zu vermitteln versuchen.“
Jaume Claret Muxart
Jaume Claret Muxart wurde 1998 in Barcelona geboren. Er gehörte zur ersten Generation der Elías Querejeta Zine Eskola (EQZE), einer international ausgerichteten Filmhochschule, die an der Schnittstelle zwischen Forschung und künstlerischem Ausdruck arbeitet. Er hat mehrere Kurzfilme gedreht, die international auf Festivals liefen, darunter „Ella i jo“ (2020), „Die Donau“ (2023,) und „La nostra habitació“ (2025). Sein erster Spielfilm „Strange River“ feierte 2025 seine Weltpremiere in der Sektion Orizzonti in Venedig.
Foto: Salzgeber
Special Screenings mit Gästen
- 27. August, 19 Uhr, Hackesche Höfe Kino Berlin – in Anwesenheit von Jaume Claret Muxart
- 27. August, 18:30 Uhr, Arena München – in Anwesenheit von Francesco Wenz
- 28. August, 18:00 Uhr, Abaton Hamburg – in Anwesenheit Jaume Claret Muxart
- 29. August, 20 Uhr, Klick Kino Berlin – in Anwesenheit von Jaume Claret Muxart & Francesco Wenz
- 30. August, 18:00 Uhr, Thalia Potsdam – In Anwesenheit von Jaume Claret Muxart & Francesco Wenz
- 31. August, 21:30 Uhr, Mongay im Babylon Kreuzberg Berlin, in Anwesenheit von Jaume Claret Muxart & Francesco Wenz
Hier findest Du Termine zu Previews vor dem Filmstart
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