Ein Trikot wie ein Gemälde, zwei Frauen im Kuss und internationale Schlagzeilen: Austria Wien setzt mit der neuen Ausweichkluft auf Sichtbarkeit – und offenbart ganz nebenbei, wo der Männerfußball beim Thema LGBTIQ* noch immer feststeckt.
Mit einem von Gustav Klimts „Der Kuss“ inspirierten Ausweichtrikot wollte Austria Wien Kunst und Fußball verbinden. Herausgekommen ist eine Kampagne für die Saison 2026/27, die weit über Österreich hinaus Aufmerksamkeit bekommt – vor allem wegen zweier Frauen, die sich in den neuen Trikots küssen.
Das karminrote Dress mit goldenen Akzenten, gemeinsam mit Ausrüster Macron entwickelt, setzt nicht auf die üblichen Profi-Gesichter. Stattdessen zeigen fünf Paare aus dem Umfeld des Vereins, wie unterschiedlich Liebe und Verbundenheit aussehen können. Austria Wien stellt die Kampagne unter das Motto „Liebe kennt viele Formen“. Lea und Jeannine stehen dabei für gleichgeschlechtliche Liebe – und ihr Foto wurde zum Motiv, das international aufgegriffen wurde.
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„Lieb doch, wen du willst“
Dass die Bilder Reaktionen auslösen würden, war durchaus einkalkuliert. „Wir wussten, dass wir mit dem Thema Reaktionen auslösen und ein bisschen provozieren können“, sagte Julian Uhlig, der bei Austria Wien für die Kampagne verantwortlich ist, dem Standard. Die Botschaft ist eindeutig:
„Lieb doch, wen du willst, küss doch, wen du willst. Bei uns ist jeder willkommen.“
Die Kampagne schaffte es tatsächlich über Österreich hinaus. Sowohl die deutsche Bild als auch die britische Daily Mail griffen die Präsentation auf. Aus einem dritten Trikot eines österreichischen Bundesligisten wurde so eine internationale Fußballgeschichte.
Warum keine zwei Männer?
Gerade im Fußball drängt sich allerdings eine Frage auf: Warum zeigt die Kampagne zwar zwei sich küssende Frauen, aber kein männliches Paar?
Uhlig weist den Gedanken zurück, Austria Wien habe davor bewusst zurückgeschreckt. „Zwei Männer zu zeigen, wäre genauso möglich gewesen“, sagt er dem Standard. Man habe sich jedoch „schnell auf die bestehenden Paare festgelegt“.
Diese Begründung verweist auf einen weiterhin bemerkenswerten Unterschied innerhalb des Fußballs. Lesbische Sichtbarkeit ist im Frauenfußball längst wesentlich selbstverständlicher als offen schwule Identitäten im Männer-Profifußball. Ein Kuss zwischen zwei Männern hätte in diesem Umfeld vermutlich noch einmal eine andere Symbolkraft entfaltet.
Dass diese Frage bei einer Trikotkampagne überhaupt so naheliegt, zeigt zugleich, wie stark Homosexualität im Männerfußball weiterhin tabuisiert ist.
1.000 limitierte Boxen in kürzester Zeit ausverkauft
Foto: Daniel Shaked
Austria Wien Kunsttrikot
Die ersten 1.000 Exemplare des Kunsttrikots wurden in einer limitierten Galerie-Box angeboten – und waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.
Kommerziell ist das Trikot bereits ein Erfolg. Die ersten 1.000 Exemplare wurden für 129,90 Euro in einer limitierten Galerie-Box angeboten, die das Trikot wie ein Kunstwerk in Szene setzt. Sie waren laut Standard innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Weitere 400 Exemplare ohne Spezialbox folgten – auch sie waren sofort vergriffen. Inzwischen läuft eine weitere Produktion mit längerer Lieferzeit.
Mit der Reichweite nahm allerdings auch die Kontroverse zu. „Das Feedback war sehr positiv“, sagt Uhlig dem Standard. Je größer die Reichweite geworden sei, desto kontroverser seien jedoch auch die Reaktionen ausgefallen. Der Verein habe Kommentare in den sozialen Medien moderiert und Beiträge verborgen, die „unter der Gürtellinie“ gewesen seien.
Die Botschaft soll davon unberührt bleiben: „Liebe ist für alle da.“