Fabiana Bánzer und Scarlett Rocha haben in Bolivien als erstes gleichgeschlechtliches Paar standesamtlich geheiratet. Möglich wurde die Trauung erst nach fast vier Jahren und zwei Gerichtsverfahren. Die Ehe für alle gilt dennoch nicht.
Es war ein jahrelanger Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie und das Gesetz, doch am 7. August erlebte Bolivien einen historischen Meilenstein: Fabiana Bánzer und Scarlett Rocha haben sich als erstes gleichgeschlechtliches Paar im Land standesamtlich das Ja-Wort gegeben. Die LGBTIQ*-Organisation IGUAL Bolivia, deren Anwaltsteam das Paar begleitete, bestätigten die Zivilehe.
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Ein vierjähriger Marathon vor Gericht
Der Weg zur Trauung verlangte den beiden Frauen Durchhaltevermögen ab. Im Oktober 2022 beantragten Bánzer und Rocha erstmals die Eheschließung beim bolivianischen Personenstandsregister Serecí. Der Antrag wurde prompt abgelehnt – mit der Begründung, dass gleichgeschlechtliche Ehen im Gesetz schlichtweg nicht vorgesehen seien.
Das Paar ließ das nicht auf sich sitzen und zog vor Gericht. Über zwei sogenannte Amparo-Verfahren – verfassungsrechtliche Eilverfahren zum Schutz Grundlegender Rechte – erkämpften sie ihr Recht. Am 13. März erging schließlich das finale Urteil zu Gunsten des Paares, das den Weg für die historische Eheschließung ebnete.
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Noch keine „Ehe für alle“ in Sicht
So groß die Freude über den Einzelfall ist: Eine flächendeckende „Ehe für alle“ bedeutet diese Entscheidung für Bolivien noch nicht. Artikel 63 der verfassungsmäßigen Ordnung Boliviens beschreibt die Ehe sowie die rechtlich anerkannte Lebensgemeinschaft (unión libre) weiterhin explizit als Verbindung zwischen einer Frau und einem Mann.
Das Gerichtsurteil gilt vorerst nur für Bánzer und Rocha persönlich. Dennoch sieht IGUAL Bolivia darin eine „Tür der Hoffnung“ für andere Regenbogenfamilien und Paare im Land.
„Ihre Geschichte öffnet eine Tür der Hoffnung für viele andere Paare und diverse Familien, die noch auf ihre Rechte durch das Gesetz vertrauen.“
Vorbild bei eingetragenen Partnerschaften?
Dass strategische Klagen in Bolivien nachhaltige Veränderungen anstoßen können, zeigt die jüngere Geschichte: 2020 erkämpften David Aruquipa und Guido Montaño die Anerkennung ihrer unión libre (männer* berichtete). Das Verfassungsgericht stützte sich damals auf das Diskriminierungsverbot und Richtlinien des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte.
Diese Grundsatzentscheidung führte 2023 dazu, dass das Oberste Wahlgericht die Regeln vereinfachte. Seitdem können gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft unter denselben Bedingungen wie heterosexuelle Paare eintragen lassen – bis Mitte 2023 machten bereits 47 Paare davon Gebrauch.
Ob die Trauung von Fabiana Bánzer und Scarlett Rocha eine ähnliche Welle für das Eherecht auslöst, bleibt abzuwarten. Ein Signal der Hoffnung ist sie allemal.