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In China wurden zwei populäre Dating-Apps für schwule und bisexuelle Männer, Blued und Finka, auf Anordnung der staatlichen Internetaufsicht aus den chinesischen App-Stores entfernt. Apple erklärte, den Schritt „auf Grundlage einer Anordnung der Cyberspace Administration of China“ vorgenommen zu haben. Nutzer, die die Apps bereits installiert hatten, konnten sie in vielen Fällen weiterhin verwenden.
Hintergrund und Bedeutung
Obwohl homosexuelle Beziehungen in China seit 1997 legal sind, bleibt die gleichgeschlechtliche Ehe verboten, und queere Themen unterliegen einer starken gesellschaftlichen Tabuisierung. In den letzten Jahren hat sich zudem die Kontrolle über Online-Kommunikation und Zivilgesellschaft verschärft. So wurden u. a. Accounts von queeren Studierendenorganisationen auf großen Plattformen gelöscht.
Die betroffenen Apps hatten bisher eine wichtige Funktion inne: Sie boten für viele queere Menschen im Land einen digitalen Raum zur Vernetzung, Unterstützung und Selbstdarstellung – in einem Umfeld, das ansonsten restriktiv ist. Als ein Nutzer kommentierte:
„The living space for sexual minorities has been shrinking over the past few years … but hearing this news now, it caught me off guard that online spaces are also shrinking.“
Mögliche Motive und Einschätzungen
Offizielle Begründungen bleiben vage, die Stoßrichtung ist aber erkennbar. Die Führung will kommunikative Räume strenger kontrollieren, besonders dort, wo sich Identität, Vernetzung und potenzielle Mobilisierung überschneiden. Bereits etablierte Zensurvorgaben zu „unerwünschten“ Darstellungen von Sexualität liefern den regulatorischen Rahmen, und App-Stores werden als wirksamer Hebel genutzt, um ganze Ökosysteme mit einem Schritt zu beschneiden. Für international agierende Konzerne entsteht ein harter Zielkonflikt: Sie müssen lokale Anordnungen befolgen, riskieren damit aber, als Erfüllungsgehilfen repressiver Politik zu erscheinen.
Folgen für die LGBTIQ*-Community
Die Entfernung der Apps betrifft den Alltag vieler Menschen unmittelbar. Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, Beratung zu finden oder Veranstaltungen zu organisieren, werden eingeschränkt, und die ohnehin fragile Sichtbarkeit von LGBTIQ* in digitalen Öffentlichkeiten sinkt. Das erzeugt Verunsicherung bis in private Lebensbereiche hinein, denn anonyme oder pseudonyme Kommunikation ist für viele zentral. Zugleich steigt der Druck, auf ausländische Dienste auszuweichen, was neue Risiken bei Datenschutz, Überwachung und rechtlicher Grauzone schafft.
Ob die Entfernung der Apps dauerhaft ist oder temporär bleibt, ist offen.
*Quellen: The Guardian; AP News; Berliner Morgenpost; them.