Eine neue YouGov-Umfrage zeigt, dass Großbritannien in der Frage, ob es akzeptabel wäre, den Weihnachtsmann als homosexuell darzustellen, geteilter Meinung ist. Männer haben mit schwulen Santa Clauses häufiger ein Problem als Frauen und die junge Generation ist generell viel offener im Umgang mit fest etablierten Figuren der Kulturgeschichte.
Ende November löste ein Werbespot der norwegischen Post, in dem Santa Claus als homosexuell dargestellt wurde (wir berichteten), in einigen Kreisen große Kontroversen aus. Vielfach echauffierten sich die Leute darüber, der Werbespot und dieser „woke gay Santa“ würde Weihnachten sexualisieren (so geschehen auf talkRADIO, einem in ganz Großbritannien ausgestrahlten Radiosender). Andernorts war zu hören, die ‚Woke-Agenda‘ kenne „absolut keine Grenzen“ und habe „NULL Standards“ oder „Norwegen macht den Weihnachtsmann zu einem verkappten Homosexuellen, der Mrs. Claus betrügt“, wie der britischer Sänger Steve Brookstein kritisierte.
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Angeregt von der Kontroverse rund um den Spot stellten sich YouGov-Forscher*innen die Frage, auf welche Resonanz er wohl gestoßen wäre, wenn er an der britischen Küste ausgestrahlt worden wäre. Am 14. und 15. Dezember befragte das Team 1.714 Erwachsene in Großbritannien über ihre Ansichten zu schwulen Weihnachtsmännern. Das Ergebnis: Während ein homosexueller Weihnachtsmann unter der queeren britische Bevölkerung mehrheitlich willkommen ist – 76 Prozent sind dafür, aber auch 17 Prozent dagegen –, ist die Gesamtpopulation geteilter Meinung. 39 Prozent antworteten auf die Frage, ob es akzeptabel wäre, den Weihnachtsmann als homosexuell darzustellen oder nicht, mit „akzeptabel“, 41 mit „inakzeptabel“.
In der breiten Öffentlichkeit ist das Alter der entscheidende Faktor: Unter den 18- bis 24-Jährigen befürworten 60 Prozent einen schwulen Weihnachtsmann, 20 Prozent sind dagegen. Auch bei den 25- bis 49-Jährigen ist die Zustimmung mit 46 Prozent größer als die Ablehnung mit 33 Prozent, aber bei den 50- bis 64-Jährigen kehrt sich das Verhältnis um: 47 Prozent finden eine solche Darstellung inakzeptabel, 31 Prozent haben damit keine Probleme. Die meisten Britinnen und Briten ab 65 Jahren könnten einen homosexuellen Weihnachtsmann nicht tolerieren (58 Prozent zu 24 Prozent).
Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Männer halten schwule Weihnachtsmänner mit 46 Prozent für inakzeptabel, während Frauen derartige Darstellungen mit 42 Prozent akzeptieren.
Kann der Weihnachtsmann weiblich sein?
Einen weiblichen Weihnachtsmann lehnt die britische Öffentlichkeit mehrheitlich ab: Für 54 Prozent der britischen Bevölkerung wäre ein weiblicher Weihnachtsmann inakzeptabel, lediglich 27 Prozent hätten damit kein Problem. Frauen sind mit 56 Prozent genauso häufig dagegen wie Männer mit 53 Prozent.
Wenig überraschend ist unter den 18- bis 24-Jährigen eine Mehrheit dafür, dass auch Frauen in die Schuhe des Weihnachtsmanns schlüpfen dürfen: 45 Prozent sagen, eine Weihnachtsmännin sei akzeptabel, für 31 Prozent käme das nicht infrage.
Kann der Weihnachtsmann PoC, aus dem Nahen Osten oder asiatisch sein?
In Großbritannien ist die Akzeptanz für einen nicht-weißen Weihnachtsmann gering. Während acht von zehn Befragten (80 Prozent) es für akzeptabel halten, den Weihnachtsmann als Weißen darzustellen, findet es nur die Hälfte der britischen Bevölkerung (49–53 Prozent) in Ordnung, wenn Santa Claus als Angehöriger einer anderen Ethnien dargestellt wird, nach denen gefragt wurde (PoC, Menschen aus dem Nahen Osten und Südostasien).
Die Einstellungen von Brit*innen, die einer ethnischen Minderheit angehören, sind weitgehend identisch mit denen der Gesamtbevölkerung. Der größte Unterschied besteht in der Darstellung des Weihnachtsmanns als Weißer, die 68 Prozent für akzeptabel halten, das sind 12 Prozentpunkte weniger als in der Gesamtbevölkerung. Dennoch halten nur 11 Prozent einen weißen Weihnachtsmann für inakzeptabel. Die Ergebnisse unter der christlichen britischen Bevölkerung, die einer ethnischen Minderheit angehören, sind im Allgemeinen identisch mit denen, die einer ethnischen Minderheit angehören. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ein Weihnachtsmann of color in der ersten Gruppe (55 Prozent) etwas mehr Akzeptanz findet als in der zweiten (49 Prozent).
Auch in dieser Frage werden größere Abweichungen in der Meinung Altersgruppen deutlich. Jüngere Brit*innen akzeptieren nicht-weiße Weihnachtsmänner eher, gleichzeitig findet diese Altersgruppe weiße Weihnachtsmänner mit 71 Prozent etwas seltener in Ordnung als 79–82 Prozent der anderen Altersgruppen (was darauf zurückzuführen ist, dass diese Alterskohorte häufiger als andere angibt, sie wüssten es nicht, und nicht speziell gegen die traditionelle Darstellung des Weihnachtsmanns sind).
Fazit: Geringe Toleranz bei fest etablierten Popfiguren
Im Jahr 2018 fragte YouGov nach den demografischen Merkmalen eines anderen berühmten fiktiven weißen Mannes: James Bond. Die Einstellungen hinsichtlich ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht und sexueller Orientierung des Weihnachtsmanns entsprechen weitgehend denen der James-Bond-Umfrage, mit einer allgemein positiven Einstellung zu einer Änderung der ethnischen Herkunft von 007, einer relativen Uneinigkeit über seine sexuellen Vorlieben (die Brit*innen lehnen einen schwulen Bond mit 47 Prozent ab) und einer entschiedenen Ablehnung eines weiblichen James.
Dies deutet darauf hin, dass sich die Meinung zum Weihnachtsmann nicht nur auf die Figur selbst bezieht, sondern möglicherweise eine breitere Palette von Einstellungen in Bezug auf fest etablierten Figuren der Popkultur widerspiegelt.