Fidschi hat HIV zum nationalen Notstand erklärt. Der Inselstaat verzeichnet nach Angaben von UNAIDS einen der weltweit stärksten Anstiege bei Neuinfektionen. 2025 wurden 2.016 neue Fälle diagnostiziert – 16-mal so viele wie 2019. Neben sexueller Übertragung treibt vor allem injizierender Drogenkonsum die Epidemie an.
Fidschi hat angesichts einer rasant wachsenden HIV-Epidemie den nationalen Notstand ausgerufen. Gesundheitsminister Ratu Atonio Lalabalavu erklärte, die Situation erfordere eine dringende und koordinierte Reaktion der gesamten Regierung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einem der weltweit stärksten Anstiege bei HIV-Neuinfektionen.
Die Zahlen zeigen das Ausmaß der Krise: 2025 wurden 2.016 neue HIV-Diagnosen registriert – das sind 16-mal so viele wie 2019. Nach Regierungsangaben lebt inzwischen schätzungsweise eine von 60 erwachsenen Personen in dem pazifischen Inselstaat mit HIV. Fünf Jahre zuvor war es noch eine von 167. Besonders dramatisch ist die Situation bei Schwangeren und Kindern. Nach Regierungsangaben leben zwei von 100 Schwangeren mit HIV. Von 59 Babys, die 2025 mit HIV geboren wurden, starben 18 vor ihrem ersten Geburtstag.
Auch die Versorgungslage ist alarmierend. Nach Angaben von UNAIDS wussten 2025 nur 39 Prozent der Menschen mit HIV von ihrer Infektion, lediglich 22 Prozent erhielten eine antiretrovirale Therapie.
Sexuelle Übertragung und Drogenkonsum als Treiber der Epidemie
Bei den Fällen, für die ein Übertragungsweg bekannt ist, entfiel laut UNAIDS mehr als die Hälfte auf sexuelle Kontakte. Mehr als 42 Prozent standen mit injizierendem Drogenkonsum in Verbindung. UNAIDS-Landesdirektorin Renata Ram erklärte gegenüber AFP bereits Anfang des Jahres, die Übertragungsraten hätten etwa 2019 deutlich zu steigen begonnen. Damals sei eine Gruppe mit besonders riskantem injizierendem Drogenkonsum entstanden, vor allem im Umfeld von Sexarbeit.
Dahinter steht eine größere Entwicklung im Pazifik: Fidschi und andere Inselstaaten dienen als Transitregionen für Drogen aus Lateinamerika und Asien auf dem Weg nach Australien und Neuseeland. Nach Angaben der Global Initiative against Transnational Organized Crime nahm der Handel mit Methamphetamin und Kokain nach der Corona-Pandemie stark zu. Ein Teil der Drogen gelangt inzwischen auch auf die lokalen Märkte.
Regierung will Tests, PrEP und Behandlung ausbauen
Foto: STR / AFP
Ein mobiles Team von Medical Services Pacific bietet im März 2026 in einem Vorort der fidschianischen Hauptstadt Suva kostenlose HIV-Tests an. Angesichts stark steigender Infektionszahlen hat Fidschi HIV nun zum nationalen Notstand erklärt.
Mit der Ausrufung des Notstands soll die HIV-Bekämpfung nun ressortübergreifend verstärkt werden. Die Regierung hat einen Kabinettsausschuss aus fünf Ministerien eingerichtet und will Hindernisse beim Zugang zu Prävention und Versorgung abbauen. Neben kostenlosen HIV-Tests, PrEP und antiretroviralen Therapien soll es auch verbesserte Harm-Reduction-Angebote für Menschen geben, die Drogen injizieren. Geplant ist unter anderem die gesetzliche Grundlage für ein Programm zur Ausgabe steriler Nadeln und Spritzen. Unterstützung erhält Fidschi nach eigenen Angaben unter anderem von Australien, Neuseeland, Indien, dem Global Fund und den Vereinten Nationen.
UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima sieht die Entwicklung auf Fidschi auch als internationale Warnung: HIV-Epidemien könnten sich schnell verändern. Der Fall zeige, dass leistungsfähige Gesundheits- und Community-Strukturen weiterhin notwendig seien. *AFP/sah