Wer dachte, mit 34 Jahren und nach seinem Rücktritt 2022 würde Gus Kenworthy leise werden, hat sich getäuscht. Der verlorene Sohn des Freestyle-Skiings, der nun für Großbritannien startet, hat eine Nachricht für die US-Regierung im Gepäck. Am 5. Februar schrieb er seinen Unmut über die US-Einwanderungsbehörde ICE unmissverständlich mit Urin in den Schnee: „Fuck ICE“.
„Sie hoffen, dass ich mir das Genick breche“
Was konservative Kritiker zunächst nur als vulgär abtaten, ist mittlerweile in blanken Hass umgeschlagen. In einem Video, das Gus am Sonntag veröffentlichte, berichtet er von der Kehrseite seines viralen Moments. „Ich habe eine Tonne Nachrichten bekommen“, erzählt er sichtlich bewegt. Während viele ihn unterstützen, zeigen andere ihr hässliches Gesicht: „Viele Nachrichten waren schrecklich. Leute sagen mir, ich solle mich umbringen, bedrohen mich, wünschen sich, dass ich mir bei meinem Wettkampf das Knie zerfetze oder das Genick breche.“
Auch wüste homophobe Beschimpfungen („Slurs“) musste er über sich ergehen lassen. Doch Gus denkt nicht daran, einzuknicken. Er bezeichnet die Behörde ICE weiterhin als „böse“ und „furchteinflößend“. Sein Credo: „Nur weil du die USA liebst, heißt das nicht, dass du hinter dieser Administration stehst.“
Aktivismus in Comic Sans
Dabei hatte alles fast schon spielerisch begonnen. Gus’ gelbe Schrift im Schnee – Beobachter attestierten ihm eine perfekte „Comic Sans“ – war eine Reaktion auf das brutale Vorgehen der Trump-Regierung und tödliche Schüsse durch Bundesbeamte im Januar. Er nutzte den Moment sogar strategisch und lieferte seinen 1,3 Millionen Followern ein Skript, um Senatoren anzurufen und die Finanzierung der ICE zu blockieren. Das ist Aktivismus 2.0 – dreckig, laut und, wie sich zeigt, extrem mutig.
Der „Heated Rivalry“-Moment
Warum wir Gus auch 2026 noch so lieben – und jetzt vielleicht mehr denn je? Weil er verletzbar ist. Erst im Januar offenbarte er im New Yorker, wie sehr er sich mit der Figur des Scott Hunter aus dem Gay-Romance-Hit Heated Rivalry identifiziert. Er gab zu, dass er früher – genau wie im Buch – eine „Rose“ hatte: Miley Cyrus diente ihm als Ablenkung, während er sich eigentlich nach etwas ganz anderem sehnte. Diese Ehrlichkeit, gepaart mit seiner jetzigen Standhaftigkeit gegen Morddrohungen, macht ihn zur Ikone.
Prominente Rückendeckung: „Danke für dein Pipi“
In diesem Sturm steht Gus nicht allein. Die Schweizer Freestyle-Skifahrerin Sarah Hoefflin nannte ihn und andere kritische Athleten „absolute Helden“. Den wohl besten Kommentar lieferte jedoch Frankie Grande. Der Bruder von Pop-Superstar Ariana Grande kommentierte unter Gus’ Video: „Ich bin so stolz auf dich, Gus. Danke, dass du den Mund aufgemacht hast ... mit deinem Pipi.“