Der Supreme Court of the United States hat entschieden, dass Bundesstaaten trans* Mädchen und trans* Frauen vom Frauen- und Mädchensport ausschließen dürfen. Das Urteil dürfte erhebliche Auswirkungen auf laufende Verfahren in den USA haben und gilt als weiterer Rückschlag für Trans-Rechte.
Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Dienstag eine weitreichende Entscheidung gegen trans* Athletinnen getroffen. In den verbundenen Fällen aus West Virginia und Idaho urteilte der Supreme Court, dass öffentliche Schulen und Hochschulen Frauen- und Mädchenteams nach dem sogenannten biologischen Geschlecht definieren dürfen.
Damit können Bundesstaaten trans* Mädchen und trans* Frauen von entsprechenden Teams ausschließen, ohne gegen US-Antidiskriminierungsrecht zu verstoßen. Die Richtermehrheit sieht darin keinen Verstoß gegen US-Gesetze, die Diskriminierung im Bildungsbereich und ungleiche Behandlung durch den Staat verbieten.
Zwei Fälle, ein Signal an die ganzen USA
Im Zentrum standen die Klagen zweier trans* Sportlerinnen: B. P. J., eine Schülerin aus West Virginia, und Lindsay Hecox, eine Studentin aus Idaho. Beide hatten gegen Gesetze geklagt, die ihnen die Teilnahme an Frauen- beziehungsweise Mädchenteams verwehren. Untere Gerichte hatten ihnen zunächst teilweise Recht gegeben. Der Supreme Court hob diese Entscheidungen nun auf.
Die Wirkung dürfte weit über diese beiden Bundesstaaten hinausreichen. Laut Gericht haben in den vergangenen sechs Jahren 27 US-Bundesstaaten entsprechende Ausschlussgesetze verabschiedet. The Guardian wertet das Urteil deshalb als Signal an weitere konservative Bundesstaaten, vergleichbare Regeln durchzusetzen oder bestehende Verbote abzusichern.
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Am Stonewall National Monument in New York protestierten Menschen gegen das Urteil des Supreme Court.
„Die Antwort lautet: Ja“
„Dürfen Schulen die Teilnahme an Sportwettkämpfen für Frauen und Mädchen an das biologische Geschlecht knüpfen? Die Antwort lautet: Ja“, erklärte der konservative Richter Brett Kavanaugh, der von Trump ernannt worden war, zu der Entscheidung. Es handele sich dabei nicht um eine Diskriminierung. Die Entscheidung des mehrheitlich konservativen Gerichtshofs fiel mit sechs zu drei Stimmen. Die drei Richterinnen des liberalen Flügels stimmten dem Urteil zwar in einem Punkt teilweise zu, widersprachen der konservativen Mehrheit aber in der zentralen Frage des verfassungsrechtlichen Diskriminierungsschutzes.
Trump macht daraus einen Kulturkampf-Sieg
US-Präsident Donald Trump feierte die Entscheidung umgehend auf Truth Social. Er sprach von einem „BIG WIN“ und schrieb: „Wow!“ Damit sei eine „lächerliche Situation vom Tisch“, erklärte er. Trump hatte bereits im Februar 2025 ein Dekret mit dem Titel „Keeping Men Out of Women’s Sports“ unterzeichnet. Darin droht seine Regierung Bildungseinrichtungen mit dem Entzug von Bundesmitteln, wenn sie trans* Frauen oder trans* Mädchen in Frauen- und Mädchenteams antreten lassen. Die Verordnung ist Teil einer breiteren Kampagne der Regierung gegen trans Rechte (männer* berichtete).
Was das Urteil offenlässt
Ein wichtiger Punkt geht in der politischen Zuspitzung leicht unter: Der Supreme Court entschied ausdrücklich nicht, ob Schulen trans* Mädchen und trans* Frauen freiwillig in Frauen- und Mädchenteams aufnehmen dürfen. Das Urteil sagt also vor allem, dass Bundesstaaten Ausschlussregeln erlassen dürfen – nicht, dass alle Schulen dazu verpflichtet wären. Genau diese Frage wird nach Angaben des Gerichts weiterhin in unteren Instanzen verhandelt.
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„Let kids play“: Demonstrierende protestieren am 30. Juni am Stonewall National Monument in Manhattan, New York, gegen Ausschlussregeln für trans* Mädchen und trans* Frauen aus dem Sport und fordern mehr Teilhabe für Kinder und Jugendliche.
Dennoch ist das Urteil für trans* Jugendliche ein massiver Rückschlag. In vielen Teilen der USA wird der Zugang zu Schulsport und Hochschulsport für sie nun noch schwieriger. Besonders hart trifft das junge Menschen, für die Sport nicht nur Wettbewerb bedeutet, sondern auch Zugehörigkeit, Alltag und Anerkennung.
Richterin Sonia Sotomayor, die dem liberalen Flügel des Supreme Court zugerechnet wird, kritisierte das Urteil scharf. Sie verwies in ihrem Sondervotum darauf, dass B. P. J. in West Virginia die einzige öffentlich bekannte trans* Schülerin war, die in den vergangenen Jahren mit anderen Mädchen Sport treiben wollte. Genau dieser Einzelfall wurde nun zur Grundlage einer Entscheidung mit landesweiter Signalwirkung.
Für Trump ist das Urteil ein Kulturkampf-Sieg. Für trans* Jugendliche bedeutet es, dass ihre Teilhabe am Sport in vielen US-Bundesstaaten weiter eingeschränkt wird.