Die ungarische Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar plant eine grundlegende Reform des nationalen Adoptionsrechts. Die im Jahr 2020 unter dem damaligen Premier Viktor Orbán eingeführten Verschärfungen, die homosexuellen Paaren und Alleinstehenden die Adoption von Kindern faktisch unmöglich machten, sollen vollständig zurückgenommen werden. Damit stellt die neue Regierung nicht nur das Wohl der Kinder wieder in den Mittelpunkt, sondern nähert sich auch wieder den Grundwerten der Europäischen Union an.
Was die angekündigte Reform verspricht
In einer offiziellen Stellungnahme kündigte Péter Magyar das Ende der politisch begründeten Adoptionsbeschränkungen an. Künftig sollen Entscheidungen darüber, wer ein Kind adoptieren darf, nicht mehr in den Händen der politischen Führung oder eines Ministeriums liegen. Die Beurteilung der Eignung potenzieller Adoptiveltern wird stattdessen wieder vollständig an qualifizierte Fachkräfte wie Psychologen, Sozialarbeiter und Jugendämter übertragen.
Magyar betonte in diesem Zusammenhang wörtlich: „Nicht ein Minister soll über die Adoption entscheiden, sondern Fachleute“. Durch diese Neuregelung wird der rechtliche Weg für gleichgeschlechtliche Paare sowie für Einzelpersonen wieder geebnet.
Die bisherige Rechtslage seit 2020
Die zu reformierende Gesetzgebung geht auf eine Verfassungs- und Gesetzesänderung aus dem Monat Dezember des Jahres 2020 zurück. Unter der Führung der Fidesz-Partei von Viktor Orbán wurde die Ehe in der Verfassung streng als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau verankert, wodurch gleichgeschlechtliche Paare als Gemeinschaft offiziell von Adoptionen ausgeschlossen wurden. Um die bis dahin von queeren Paaren genutzte Möglichkeit der Einzeladoption zu unterbinden, führte die damalige Regierung eine Sonderregelung für Alleinstehende ein. Fortan durften Ledige nur noch in extremen Ausnahmefällen ein Kind adoptieren, wofür zudem eine persönliche Sondergenehmigung der damaligen Familienministerin Katalin Novák erforderlich war.
Tausende Kinder warten
Die strengen bürokratischen und ideologischen Beschränkungen der vergangenen Jahre führten dazu, dass tausende Kinder jahrelang in staatlichen Einrichtungen verbleiben mussten, obwohl Adoptionsanträge vorlagen. Während im Jahr 2025 über 2.400 Kinder in staatlichen Heimen auf ein neues Zuhause warteten, standen dem nur rund 1.478 offiziell zugelassene Adoptiveltern gegenüber.
Was der Schritt für das Verhältnis zur EU bedeutet
Neben dem Adoptionsverbot hatte die Regierung Orbán im Juni 2021 ein weitreichendes Gesetz verabschiedet, das die Vermittlung von Informationen über Homosexualität und Transidentität an Minderjährige stark einschränkte. Diese Maßnahmen führten zu schwerwiegenden diplomatischen Spannungen mit der Europäischen Union, mehrere Vertragsverletzungsverfahren sowie zum Einfrieren von EU-Fördergeldern in Milliardenhöhe. Die nun von Péter Magyar angekündigte Rücknahme des Adoptionsverbots wird von internationalen Beobachtern und Menschenrechtsorganisationen als maßgeblicher Schritt zur Rechtsstaatlichkeit und zur Beendigung der jahrelangen Diskriminierung sexueller Minderheiten in Ungarn bewertet.
*Quellen: Euronews, Ungarisches Zentralamt für Statistik (KSH), Bürgerrechtsorganisation aHang, Ungarisches Gesetzbuch, Verfassungsänderung, Europäischer Gerichtshof (EuGH), EU-Kommission (April 2026)