Queere Menschen sollen sich in Berlin wieder sicherer fühlen. Der Senat hat dazu eine „Berliner Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit“ beschlossen. In dem mehr als 50 Seiten umfassenden Papier sind zahlreiche Ideen und Maßnahmen beschrieben.
Berlin zieht Konsequenzen aus einer besorgniserregenden Entwicklung: Die Zahl queerfeindlicher Straftaten ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2023 wurden 588 Vorfälle registriert, darunter 127 Gewaltdelikte – Fachstellen gehen von einer erheblich höheren Dunkelziffer aus.
Als Reaktion darauf hat der Berliner Senat nun als erstes Bundesland eine umfassende „Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit“ beschlossen. Ziel ist es, den Schutz von LGBTIQ*-Personen nachhaltig zu verbessern und queerfeindlicher Gewalt präventiv entgegenzuwirken. „Wir stärken damit unsere Stadt, die von genau dieser Vielfalt lebt“, erklärte die Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kızıltepe, in einer Pressemitteilung.
Die „Berliner Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit“ beruht auf den Empfehlungen des Runden Tisches „Schutz vor queerfeindlicher Hasskriminalität“. Dieses Gremium hat im August 2025 seine Empfehlungen an die für Vielfalt und Antidiskriminierung zuständige Senatsverwaltung überreicht. Seit der Einrichtung des Runden Tisches im Frühjahr 2024 unter Leitung der Ansprechperson Queeres Berlin, Alfonso Pantisano, haben sich mehr als 400 Menschen eingebracht und in zahlreichen Beteiligungswerkstätten und einer Beteiligungskonferenz mitgewirkt. Gemeinsam entstanden so konkrete Empfehlungen, die nun als Grundlage und Entscheidungsvorlage für den Senat dienen.
Mehr Sicherheit im Alltag
Ein Schwerpunkt der Strategie liegt auf konkreten Maßnahmen im öffentlichen Raum. Orte wie Parks oder bekannte Treffpunkte gelten für viele queere Menschen bislang als unsicher. Geplant sind unter anderem Notrufsäulen an gefährdeten Orten, verbesserte Sicherheitskonzepte bei Veranstaltungen sowie gezielte Schulungen für Polizei und Sicherheitspersonal.
Auch strukturelle Veränderungen sind vorgesehen: So sollen etwa geschlechtsneutrale Toiletten und Duschen bei Schulneubauten stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig will Berlin flächendeckend Beratungs- und Anlaufstellen für Betroffene ausbauen.
Kampf gegen Hass – auch im Netz
Queerfeindlichkeit endet nicht im öffentlichen Raum. Ein weiterer Fokus liegt daher auf digitaler Gewalt. Eine neue Fachstelle soll künftig Hass im Netz erfassen, Betroffene beraten und digitale Angriffe systematischer dokumentieren. Begleitend plant der Senat Kampagnen zur Stärkung von Zivilcourage sowie Anti-Gewalt-Trainings für Täter.
Ein jährlicher „Community-Safety-Day“ soll zusätzlich Vernetzung schaffen und den Austausch zwischen Community, Politik und Sicherheitsbehörden fördern.
Sicherheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die Strategie versteht queere Sicherheit nicht nur als Aufgabe von Polizei und Politik, sondern als gesamtgesellschaftliches Projekt. Zentrale Leitgedanken sind Prävention statt reiner Reaktion, stärkere Zusammenarbeit zwischen Community und Behörden, Empowerment von Betroffenen und intersektionale Perspektiven.
Besonders betont wird, dass queerfeindliche Gewalt nicht nur Einzelpersonen trifft, sondern immer auch die gesamte Community und letztlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.
Politisches Signal mit Symbolkraft
Für Sozialsenatorin Cansel Kızıltepe ist die Strategie ein klares politisches Statement: Berlin verankere damit den Schutz queerer Menschen dauerhaft. „Wir stärken damit unsere Stadt, die von genau dieser Vielfalt lebt. Berlin soll spürbar sicherer werden und weiterhin eine lebenswerte Stadt bleiben für lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen“, so Kızıltepe.
Auch der Queerbeauftragte Alfonso Pantisano betont die demokratische Dimension. „Die Regenbogenhauptstadt Berlin macht deutlich: Queer lives matter. Mit der Landesstrategie schützen wir gezielter die Rechte und den Alltag queerer Menschen – und damit immer auch unsere Demokratie. Berlin ist das erste Bundesland, das die Sicherheit queeren Lebens zur politischen Priorität macht: in Schulen, im ÖPNV, in Gesundheit und Pflege und sogar in den queeren Communitys. In Berlin sollen alle frei und sicher leben können. Und genau dafür werden wir Verantwortung übernehmen – in allen Bereichen politischen Handelns.“
