Die Debatte um ein Verbot von sogenannter Konversionsbehandlungen hat auf europäischer Ebene eine neue Dynamik erreicht. Ende April setzten das Europäische Parlament und der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) ein deutliches Zeichen gegen die pseudowissenschaftlichen Versuche, die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität von Menschen zu verändern.
Während die Praxis in sieben EU-Mitgliedstaaten – darunter Deutschland, Frankreich und Malta – bereits gesetzlich untersagt ist, bleibt die Rechtslage in weiten Teilen der Europäischen Union uneinheitlich.
Im Rahmen einer Plenarsitzung forderte der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) nicht nur eine konsequentere Umsetzung der LGBTIQ*-Gleichstellungsstrategie 2026–2030, sondern auch eine rechtlich bindende EU-weite Regelung zum Verbot dieser menschenverachtenden Praktiken. EWSA-Präsident Séamus Boland machte unmissverständlich deutlich, dass es sich um eine fundamentale Verletzung der Menschenwürde handelt. „Es gibt nichts zu reparieren oder zu heilen“, so Boland in der Pressemitteilung. „Was sich ändern muss, sind nicht die Menschen, sondern die Systeme, Einstellungen und Strukturen, die ihnen ihre Würde absprechen.“
Die Rolle der Zivilgesellschaft
Besonderes Gewicht erhielt die Debatte durch die Europäische Bürgerinitiative „Ban conversion practices in the European Union“. Seit 2024 wurden mehr als 1,2 Millionen Unterschriften gesammelt.
Caleb Stocco von der European Association Against Conversion Therapy (ACT) appellierte in Brüssel an die Abgeordneten, für Menschlichkeit und gesunden Menschenverstand zu stimmen. Das Europäische Parlament folgte diesem Aufruf am 29. April mit einem positiven Votum, das nun als Arbeitsauftrag an die Europäische Kommission geht.
Ausblick auf die Strategie 2026–2030
Die geplante LGBTIQ*-Gleichstellungsstrategie für die Jahre 2026 bis 2030 soll sicherstellen, dass die EU ihrer Vorbildfunktion gerecht wird. Neben dem Verbot sogenannter Konversionstherapien stehen die Bekämpfung von Online-Hassrede sowie der Abbau von Barrieren im Gesundheitswesen und am Arbeitsmarkt im Fokus.
Angesichts eines zunehmenden politischen Backlashs in einigen Mitgliedstaaten betonen Beobachter*innen, dass der Schutz von Minderheitenrechten untrennbar mit der Verteidigung demokratischer Werte in ganz Europa verbunden ist.