Der frühere Rugby-League-Profi Kane Evans hat sich als schwul geoutet – als erst zweiter Spieler in der Geschichte der australischen NRL. Sein Weg dorthin führte durch Sucht, Obdachlosigkeit und Suizidgedanken. Dass er heute davon erzählen kann, verdankt er auch Menschen, die nicht weggeschaut haben.
Foto: Instagram @kevansthemandem
Kane Evans
Mit einem Interview in der australischen Sportsendung „100% Footy" hat sich der frühere Rugby-League-Profi Kane Evans als schwul geoutet. Der 34-Jährige ist damit erst der zweite Spieler in der Geschichte der National Rugby League (NRL), der diesen Schritt öffentlich geht – mehr als 30 Jahre nach Ian Roberts, der sich 1995 als erster NRL-Profi outete.
Evans bestritt in seiner Karriere 131 NRL-Spiele für die Sydney Roosters, die Parramatta Eels und die New Zealand Warriors, lief später in der englischen Super League für Hull FC auf und spielte 13 Mal für Fidschi. Im Gespräch mit Moderator James Bracey beschrieb er, was das jahrelange Verstecken aus ihm gemacht hat:
„Seit ich ungefähr 15 Jahre alt bin, führe ich einen Krieg in mir – und das ist auf Dauer nicht auszuhalten."
Was das Schweigen kostet
Evans' Schilderung macht greifbar, welchen Preis das Schweigen in einer von Härte und Männlichkeitsidealen geprägten Sportwelt fordert. Über Jahre flüchtete er sich in Suchtmittel, lebte zeitweise auf der Straße und hatte sich nach dem Karriereende vorgenommen, sich das Leben zu nehmen.
„Ich hatte drei Ziele: in der NRL zu spielen, meinen Eltern ein Haus zu kaufen – und mir danach das Leben zu nehmen. Ich habe von klein auf in Verleugnung gelebt. Ich weiß, dass ich schwul bin. Aber ich bin jeden anderen Weg gegangen, um diese Mauern hochzuziehen. Um irgendwer zu sein. Um dem zu entkommen, wer ich bin."
Verschärft wurde seine Lage durch Menschen, die seine Homosexualität als Druckmittel einsetzten. „Über die Jahre, immer wenn ich diesen Weg gehen wollte, haben mich Leute erpresst. Manche wollten mich bloßstellen, andere ihre eigenen Probleme abwälzen, indem sie mich outeten. Das hat in mir sehr viel Scham, Angst und Schuld aufgebaut." Erpressung und Outing-Drohungen funktionieren nur, solange Schweigen die einzige Option bleibt – ein Mechanismus, der queere Menschen bis heute genau dort trifft, wo offene Strukturen fehlen.
Wenn Allys zu Lebensrettern werden
Dass Evans heute davon erzählen kann, verdankt er auch zwei Menschen, die in seiner dunkelsten Phase nicht weggeschaut haben. Der frühere Profi Joe Galuvao, heute im Übergangsprogramm der Spielergewerkschaft RLPA tätig, gab ihm einen entscheidenden Anstoß: „Joe hat gesagt: ‚Du verdienst ein gutes Leben, und du verdienst Heilung.'"
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Sein früherer Trainer Trent Robinson – der ihm 2014 bei den Roosters das NRL-Debüt ermöglicht hatte – wurde zum zweiten Rettungsanker. Eine Woche nach Evans' Reha-Aufenthalt holte er ihn zurück ins Klubhaus, sicherte ihm zu, dass der Verein seine psychologische Behandlung übernimmt, und zahlte aus eigener Tasche vier Wochen Miete.
„Er hat mir klargemacht, dass die Roosters immer noch mein Zuhause sind und hinter mir stehen, egal was kommt", so Evans.
Genau das ist der Punkt, an dem Allyship konkret wird: nicht in Regenbogen-Logos zur Pride-Saison, sondern in handfester Unterstützung, wenn es darauf ankommt. Trainer*innen, Funktionär*innen und Mitspieler*innen tragen eine direkte Verantwortung dafür, ob ein Umfeld entsteht, in dem Scham und Erpressung ihre Macht verlieren.
Ein Signal über den Sport hinaus
„Jetzt, da ich darüber gesprochen habe, habe ich all diese Ketten gesprengt", sagte Evans. „Angst, Scham, Schuld – mit all dem habe ich gebrochen. Ich fühle Frieden in mir."
Sein Coming-out reiht sich in eine langsame, aber spürbare Bewegung im Männersport ein: Im August 2025 outete sich der frühere AFL-Profi Mitch Brown als bisexuell, im März 2026 der ehemalige Brisbane-Lions-Spieler Leigh Ryswyk als schwul. Für junge Sportler*innen in körperbetonten Disziplinen ist jedes dieser Vorbilder ein Beleg dafür, dass ein Leben ohne Versteck möglich ist.
Hilfe in Krisen Wenn du selbst belastet bist oder Suizidgedanken hast: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 sowie online unter telefonseelsorge.de.