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30 Jahre nachdem die obligatorischen Geschlechtstests bei den olympischen Spielen wegen ihrer Unzuverlässigkeit und Unmenschlichkeit abgeschafft wurden kehren sie nun zurück. „Zum Schutz der weiblichen Kategorie“, so das Internationalen Olympischen Komitee (IOC).
Der Gen-Check per Wangenabstrich
Im Fokus steht das SRY-Gen-Screening, das laut IOC die „präziseste und am wenigsten invasive Methode“ darstellt. Ein einfacher Wangenabstrich soll klären, ob das typischerweise auf dem Y-Chromosom liegende Gen vorhanden ist. Während Weltverbände wie World Athletics das Verfahren als objektiven Maßstab verteidigen, schlägt ausgerechnet der Entdecker des Gens, Andrew Sinclair, Alarm: Er hält die Reduktion des Geschlechts auf reine Chromosomen für „übermäßig simpel“ und kritisiert die Rückkehr zum Test als Fehlentscheidung.
Rechtliches Chaos und nationale Hürden
Die Umsetzung scheitert oft schon an der Grenze. In Ländern wie Frankreich sind solche Gentests ohne medizinische Notwendigkeit gesetzlich verboten, was bereits zum Ausschluss des französischen Box-Teams bei der WM in Liverpool führte. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sieht die Lösung darin, dass Athletinnen die Tests einfach bei Auslandsreisen zu anderen Wettkämpfen nachholen.
Die belastende Beweislast für Athletinnen
Wer zwei X-Chromosomen hat, ist nach einem Test fein raus. Aber bei einem positiven SRY-Befund beginnt für Sportlerinnen ein Spießrutenlauf: Sie müssen entweder belegen, dass ihr Körper resistent gegen Testosteron ist, oder sich invasiven gynäkologischen Untersuchungen unterziehen. Dass dieser Weg zur Freigabe führen kann, zeigt der Fall der taiwanischen Box-Olympiasiegerin Lin Yu-ting, aber der Preis dafür seien oft jahrelange psychische und finanzielle Belastungen.
Ruinierte Karrieren und fehlende Beweise
Der menschliche Preis ist hoch. In einem Brandbrief an das IOC berichten neun Athletinnen um Caster Semenya von zerstörten Träumen, sozialer Ausgrenzung und unnötigen medizinischen Eingriffen. Die Sportsoziologin Madeleine Pape gibt außerdem zu bedenken, dass ein klarer wissenschaftlicher Beweis für einen pauschalen Leistungsvorteil durch das SRY-Gen in allen Disziplinen nach wie vor fehlt. Das IOC setzt damit auf eine harte biologische Linie, deren sportlicher Nutzen ebenso umstritten bleibt wie ihre ethische Vertretbarkeit.
*Quelle AFP