Am Donnerstagabend fiel es Einsatzkräften auf: An der Regenbogenbank im Großen Tiergarten, zwischen Bellevueallee und Kleiner Querallee, fehlte eine der bunten Holzlatten. Unbekannte hatten sie demontiert, wie genau, ist bislang ungeklärt. Zwei weitere Latten sind beschädigt, teilte die Polizei Berlin am Freitag mit. Die Ermittlungen liegen beim Polizeilichen Staatsschutz des Landeskriminalamts, der für politisch motivierte Straftaten zuständig ist.
Die Bank erinnert an den Anschlag vom 25. Juli. Am Rande des CSD hatte ein 21-Jähriger einen Lieferwagen in eine Menschenmenge gesteuert und danach Menschen mit einer Machete angegriffen. Eine Frau aus Polen wurde getötet, 31 Menschen wurden verletzt, zum Teil schwer. Die Tat gilt als mutmaßlich islamistisch motiviert. Einen Tag später erschossen Polizist*innen den Attentäter.
Zehn Tage
Das Bezirksamt Mitte hatte die Bank am 6. August aufgestellt, zusammen mit einem jungen Ahorn. Er ersetzte den Baum, gegen den der Wagen geprallt war und der danach gefällt werden musste. In der Nacht zum 1. September rissen Unbekannte die Holzbohlen mit so viel Gewalt heraus, dass die Bank nicht mehr zu reparieren war (wir berichteten). Eine Woche später wurde der Ahorn samt Schutzgitter aus dem Boden gerissen.
Der Bezirk reagierte beide Male schnell. Der Baum wurde wieder eingepflanzt und mit einer Unterflurverankerung stärker gesichert. Am 14. September stand eine neue Bank am selben Platz, im Beisein von Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne), die dazu „Berlin ist und bleibt die Stadt der Freiheit“ sagte. Zugleich kündigte der Bezirk an, den Ort künftig besser zu schützen. Die neue Bank hielt zehn Tage.
Vom Grünflächenamt zum Staatsschutz
FOTO: JOHN MACDOUGALL / AFP
Die Einweihung: Unter anderem Stefanie Remlinger (3. v. l.), Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Mitte, enthüllen eine regenbogenfarbene Parkbank im Tiergarten in Berlin am 6. August 2026 zum Gedenken an die Opfer des CSD-Anschlages.
Wer die Schäden anrichtet, ist nicht bekannt. Über ein Motiv lässt sich seriös nichts sagen, solange die Polizei dazu nichts mitteilt. Eine Auffälligkeit gibt es trotzdem: Nach der ersten Zerstörung waren weitere Bänke im Tiergarten laut Polizei unbeschädigt. Getroffen wird, soweit bekannt, gezielt dieser eine Ort.
„Ganz im Ernst: Was stimmt mit Menschen nicht?“ – Alfonso Pantisano, Queerbeauftragter des Landes Berlin, nach der ersten Zerstörung
Mit jedem Angriff ist auch die behördliche Einordnung gewachsen. Anfang September meldete das Grünflächenamt den Schaden, aufgenommen wurde eine Anzeige wegen Sachbeschädigung, der Staatsschutz wurde wegen einer möglichen politischen Motivation lediglich in Kenntnis gesetzt. Beim Baum lautete der Vorwurf gemeinschaftliche Sachbeschädigung. Jetzt liegt der Fall von Anfang an beim Staatsschutz. Das ist folgerichtig: Wer einen Gedenkort für die Opfer eines Terroranschlags angeht, beschädigt kein Stadtmobiliar.
Verankert und angekündigt
Was der Bezirk mit besserem Schutz meint, ist den veröffentlichten Angaben nicht zu entnehmen. Kameras, häufigere Streifen, eine andere Bauweise: Öffentlich festgelegt hat sich bislang niemand. Konkret beschrieben ist nur, was mit dem Baum geschehen ist.
Für den Baum gibt es eine Verankerung. Für die Bank eine Ankündigung.
Dass der Bezirk zweimal innerhalb weniger Tage ersetzt und wieder eingepflanzt hat, verdient Anerkennung. Ein Gedenkort lebt aber nicht vom Grünflächenamt allein. In den Tagen nach dem Anschlag haben Menschen genau hier Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. Die Bank ist dafür gebaut, dass man sich auf sie setzt. Setzen wir uns. *ck/AFP