Die Gewalt und Hetze gegen LGBTIQ* in Deutschland nehmen weiter massiv zu. Im vergangenen Jahr erreichten die polizeilich erfassten queerfeindlichen Straftaten einen neuen Höchststand.
Die Zahlen im Detail
Insgesamt registrierte das BKA im Jahr 2025 bundesweit 2.377 queerfeindliche Straftaten. Dies entspricht einem alarmierenden Anstieg von 12,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine Aufschlüsselung der Unterthemenfelder verdeutlicht das Ausmaß:
- Im Bereich „Sexuelle Orientierung“ wurden 2.070 Straftaten erfasst, darunter 284 Gewaltdelikte.
- Im Bereich „Geschlechtsbezogene Diversität“ kam es zu 1.294 Straftaten, wovon 112 als Gewaltdelikte eingestuft wurden.
Die Summe dieser einzelnen Unterkategorien liegt über der Gesamtzahl von 2.377, da Straftaten in der polizeilichen Statistik auch mehreren Themenfeldern gleichzeitig zugeordnet werden können. Auffällig und besonders besorgniserregend ist der generelle Anteil von Gewaltdelikten, der laut BKA deutlich über dem Durchschnitt aller PMK-Delikte liegt.
Ein kontinuierlich erschreckender Trend
Illustration: KI-erstellt
Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die zunehmende Queerfeindlichkeit kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern ein stetig wachsendes Problem.
- Im Jahr 2022 waren es 1.188 Fälle.
- Im Jahr 2023 stieg die Zahl auf 1.785 Fälle.
- Im Jahr 2024 wurden 2.107 Fälle registriert.
- Im Jahr 2025 wurde mit 2.377 Fällen ein neuer Höchststand erreicht.
Die Sicherheitsbehörden machen für diese Entwicklung verschiedene gesellschaftliche und politische Faktoren verantwortlich. So wird eine zunehmende Mobilisierung rechtsextremistischer Gruppierungen gegen die LGBTIQ*-Community beobachtet. Gelebte Vielfalt stehe einem rassistischen und nationalistischen Weltbild der Täter*innen entgegen. Die meisten dieser Taten werden daher den Phänomenbereichen „PMK -sonstige Zuordnung-“ und „PMK -rechts-“ zugeschrieben. Digitale Hassräume, Onlineplattformen und extremistische Netzwerke spielen bei der Verbreitung von Feindbildern gegenüber queeren Menschen eine zentrale Beschleunigerrolle.
Das ungelöste Problem des Dunkelfelds
Gleichzeitig muss davon ausgegangen werden, dass die tatsächliche Zahl der Vorfälle noch weitaus höher liegt, da das Dunkelfeld weiterhin enorm ist. Einer Dunkelfeld-Studie der Europäischen Agentur für Grundrechte zufolge bringen 96 Prozent der LGBTIQ* erlebte Hassrede und 87 Prozent der körperlichen oder sexuellen Übergriffe gar nicht erst zur Anzeige. Als Gründe gaben die Betroffenen an, dass sie die Vergehen für „zu gering/nicht ernst genug“ hielten (33 Prozent) oder Angst vor homo- beziehungsweise transphoben Reaktionen der Polizei hatten (23 Prozent).
Warnung vor Kürzungen und Appell an die Gesellschaft
Foto: Oliver Wagner
Sophie Koch
In einer ausführlichen Reaktion auf die aktuellen BKA-Zahlen meldete sich Sophie Koch, die Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, zu Wort. Sie machte deutlich, dass hinter den polizeilichen Statistiken reale Schicksale stehen:
„2.377 registrierte Straftaten bedeuten nicht nur einen weiteren Anstieg gegenüber dem Vorjahr – sie stehen für tausende Menschen, die beleidigt, bedroht oder angegriffen wurden“.
Koch betonte, dass der zunehmende Hass immer offener zutage trete und insbesondere rechtsextreme Akteurinnen gezielt gegen die LGBTIQ*-Community mobilisieren würden.
„Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Aus Worten werden Taten“, warnte sie. Viele queere Menschen seien berechtigterweise verunsichert und erwarteten Schutz und ein angstfreies Leben.
Mit Blick auf politische Konsequenzen sprach Koch eine klare Warnung aus: „Die Antwort auf steigende queerfeindliche Gewalt kann nicht sein, bei Prävention, Beratung und Community-Arbeit zu kürzen“. Vielmehr müssten die Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans „Queer leben“ konsequent umgesetzt und unterstützende Strukturen gestärkt werden, die queere Menschen beraten und schützen.
Abschließend ordnete sie die Angriffe gesellschaftlich ein. Wer queere Menschen angreife, greife die Grundwerte der offenen Gesellschaft an. Es dürfe keine Gewöhnung an diese Höchststände geben. Kochs eindringlicher Appell:
„Der Schutz von LGBTIQ*-Personen ist eine Frage von Menschenwürde, Sicherheit und Demokratie. Dafür trägt die Politik Verantwortung – aber auch wir als Gesellschaft insgesamt“.