Psychische Belastung und Stigmatisierung als Hauptursachen
Die EMIS-Studie, an der über 50.000 schwule und bisexuelle Männer und 2.658 trans und nicht-binäre Personen aus 50 europäischen Ländern teilgenommen haben, zeigt, dass psychische Probleme wie Depressionen und Angstzustände weit verbreitet sind. Trans und nicht-binäre Menschen sind dabei überdurchschnittlich betroffen. Während rund 10 Prozent der cisgeschlechtlichen Befragten von psychischen Belastungen berichteten, lag dieser Wert bei trans und nicht-binären Personen bei durchschnittlich 25 Prozent.
Die Hauptursachen dafür sind altbekannt, aber immer noch allgegenwärtig: Stigmatisierung, Diskriminierung und Gewalt. Dr. Dirk Sander von der Deutschen Aidshilfe betont in einer Pressemeldung dass diese Daten nun genutzt werden müssen, um dringend benötigte, niedrigschwellige und diskriminierungssensible Hilfsangebote zu schaffen.
Besonders düster sieht die Lage in der Ukraine aus, wo aufgrund von Krieg und politischer Instabilität fast die Hälfte der Befragten unter starken Depressionen und Angstzuständen leidet.
Blick auf Chemsex und Prävention
Die Studie gibt auch Aufschluss über die Verbreitung von Chemsex. Die höchsten Raten finden sich in den Niederlanden, Spanien und Belgien. In Deutschland gaben fünf Prozent der Befragten an, in den letzten vier Wochen Chemsex gehabt zu haben. Auffällig ist, dass Chemsex besonders häufig bei HIV-positiven Menschen (15 Prozent) und PrEP-Nutzern (12 Prozent) vorkommt. Laut Dr. Sander von der Deutschen Aidshilfe sind hier, insbesondere in den Metropolen, dringend bessere Hilfsangebote notwendig, vor allem für diejenigen, deren Konsum suchtartig geworden ist.
Der „Sexiest Man on the Planet“ bist du selbst
Bei all den ernüchternden Zahlen gibt es aber auch einen Lichtblick: Die humorvolle Abschlussfrage der Studie, wer denn der „Sexiest Man on the Planet“ sei, sorgte für eine überraschend positive Antwort. Die häufigste Nennung war nämlich nicht Hollywood-Größen wie Henry Cavill oder Timothée Chalamet, sondern der Befragte selbst oder der eigene Partner. Ein Zeichen von Selbstliebe und Beziehungsglück, das man in diesen Zeiten umso mehr wertschätzen sollte.