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In Deutschland kamen 1933 die Nazis an die Macht, fremde Kulturen wurden als entartet, gruselig, dreckig und minderwertig diffamiert. In den USA erschienen seit 1931 sonntägliche Tarzan-Comics in den Zeitungen und feierten (nicht frei von Stereotypen und Sexismus, aber wohlwollend) „exotische“ Kulturen und Mutter Natur. Denn dort wuchs er ja auf, der Tarzan.
Die um 1912 von Edgar Rice Burroughs erdachte Figur ist der Sohn eines britischen Lords, nach einer Meuterei in Afrika ausgesetzt. Tarzan wird von nicht näher definierten großen Affen aufgezogen, nachdem diese seinen Vater umbrachten, seine Mutter starb schon früh in der Hütte im Dschungel. Los ging alles 1928: Als Hal Foster begann, die Dschungelwelt von Edgar Rice Burroughs in sequenzielle Bilder zu übersetzen, war dies zunächst weniger ein Triumphzug als ein vorsichtiges Tasten im Schatten der Zeitungslandschaft. Sein 60-teiliger, in Schwarz-Weiß gehaltener Comic nach dem Roman „Tarzan bei den Affen“ fand ausgerechnet jenseits des Atlantiks, in England, ein erstes Publikum, ein Umstand, der fast ironisch anmutet, bedenkt man die spätere amerikanische Vereinnahmung der Figur.
Bild: Prinzessin Nikotris, umgeben von Oben-ohne-Dienerinnen, Comic vom 5. Februar 1933. Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.
Dass Foster die Avancen US-amerikanischer Blätter zunächst kühl zurückwies, zeugt von einem Selbstverständnis, das künstlerische Autonomie höher gewichtete als publizistische Reichweite. Erst der ökonomische Druck der Weltwirtschaftskrise zwang ihn 1931 zum Einlenken. Was folgte, war die Transformation des Stoffes in einen farbigen, ganzseitigen Sonntagsstrip – ein Format, das bald ikonischen Rang erlangen sollte, auch wenn Foster selbst den schlecht entlohnten Auftrag abfällig als „Linsengericht“ bezeichnete. Dieses „Linsengericht“ jedoch erwies sich als tragfähige Existenzgrundlage: Über sieben Jahre hinweg ernährte es nicht nur den Künstler, sondern avancierte zugleich zu einem der populärsten Sonntagscomics Amerikas. Der Erfolg der Tarzan-Comics speiste sich aus einer eigentümlichen Mischung aus Gewaltlust, Urwald-Klischees und omnipräsenter Nacktheit – nicht zuletzt durch die expliziten Regieanweisungen des Autors ... Während Zeitungen sich über Brutalität echauffierten, konterte Burroughs mit einem fast anthropologischen Befund: Das Publikum, so ließ er wissen, sei nun einmal anfällig für das Grausame.
Tarzans Abenteuer, die ihn mit antiken Zivilisationen ebenso wie mit modernen Verbrechern, Wikingern, Dinosauriern und einer Galerie verführerischer Königinnen konfrontierten, entfalteten eine ganz besondere Stimmung. Und wirken, Stichworte Kolonialismus, Rassismus und Sexismus, auch irgendwie verrucht. Der 2026 erscheinende XXL-Band des Kölner TASCHEN Verlags knüpft an diese visuelle Tradition an, indem er die Comics direkt aus den Originalzeitungen reproduziert. Farben und die charakteristische Ben-Day-Rasterung blieben bewusst erhalten.
TASCHEN: „Hal Foster’s Tarzan. The Complete Sunday Comics 1931–1937“ – Dian Hanson, ISBN 978-3-7544-0264-1, 34.4 x 44 cm, 4.39 kg, 392 Seiten, www.taschen.com
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